Die grüne Insel der zwölf Götter Überlieferung der Elfen Unsere Weltscheibe hat das seltene und vorrangige Glück, daß die alten Götter zu ihrer Erbauung eine ganze Welt; - nämlich unsere Weltscheibe - , geschaffen hatten. Vor undenklich langer Zeit saßen sie und den Ufern der Urmeeres und blickten versonnen auf die leicht und gleichmäßig wogende Oberfläche. Bald wurden sie der stillen und eintönigen Meeresoberfläche überdrüssig und einer der Götter formte aus dem Lehm des Ufers eine kleine Schale die gerade so groß wie seine beiden Hände war. Ein anderer Gott häufte ein wenig fruchtbare Erde in der Mitte der Schale an. Der dritte Gott drückte ein paar kleine Kieselsteine in die weiche Erde und der vierte Gott setzte einige Sprößlinge aus der Ufernähe in die Erde. Als letzter schöpfte der fünfte Gott ein wenig Wasser aus dem Urmeer in die Schale. Nun war die kleine grüne Insel in der Schale aus Stein, Erde und Pflanzen rundum von Wasser umgeben. Die Götter betrachteten ihr kleines Werk zufrieden von allen Seiten, es war ein wirklich gelungenes Abbild ihrer eigenen Weltscheibe. Sie zeigten es den anderen Göttern und diese waren richtig entzückt von der kleinen Schale mit der grünen Insel. Nachdem alle das Kleinod betrachtet hatten gingen sie gemeinsam zum Ufer des Urmeeres und wollten die kleine Schale ins Wasser setzten. Doch ehe die Schale das Wasser berührte rief einer der Götter es würde noch etwas Wichtiges fehlen. Er sprach einen Zauber und eine Kuppel wie Glas legte sich über die kleine Welt. Diese Kuppel konnten nur die Götter selbst durchdringen und sie würde die Schale von nun an schützen. Danach trat ein anderer Gott; der siebente; hinzu und hauchte seinem Atem in die Kuppel damit die Sprößlinge auch in Zukunft gut gedeihen würden. Ein weiterer Gott betrachtete sorgsam die Arbeit, und da er befürchtete die kleinen Pflanzen könnten verwelken wenn die Schale eines Tages in schattiges Gewässer oder in eine dunkle Felsenhöhle trieb sprach er ebenfalls einen Zauber. Wenige Momente später zog ein kleiner glühender Ball, den kein Wasser löschen konnte, seine Bahn um die Schale. Die kleine Sonne würde ab nun jeden Tag die grüne Insel in der Schale hell erleuchten. Der neunte Gott zauberte als Ausgleich für die Stunden in denen die Sonne unter der Schale war einen blauen Mond und ein Netz voller Sterne über die Kuppel damit es auf der kleinen Welt niemals völlig finster werden konnte. Nun schien das Werk endgültig fertig zu sein. Die Götter betrachteten ihre Schöpfung einer nach dem anderen, und zwei von ihnen fanden derartigen Gefallen daran, daß sie sich nicht mehr davon trennen wollten. Dieser Zehnte und Elfte Gott beschlossen ihre Größe schrumpfen zu lassen und fortan auf der kleinen grünen Insel in der Schale zu Leben. Der letzte Gott, der Zwölfte, wollte den beiden noch etwas mitgeben. Er nahm einen Stein und rieb ihn so heftig zwischen den Händen daß er zu glühen begann. Der glühende Stein sollte sie immer, wohin sie in ihrer Schale auch getrieben wurden wärmen. Die beiden Götter bedankten sich für das Geschenk und vergruben es tief in der Erde. Der Stein glühte von nun an tief im Inneren der Erde und strahlte seine Wärme gleichmäßig nach oben aus. Dann verabschiedeten sich die zwei Götter von den anderen Göttern. Nachdem sie auf winzige Größe geschrumpft waren, setzten sie die anderen auf der Insel ab und legten die kleine Schale vorsichtig ins Wasser. Langsam trieb die kleine Weltscheibe mit der leichten Strömung des Urmeeres davon. Die beiden Götter wanderten in ihrer neuen Welt umher und waren sehr zufrieden. Einer der beiden züchteten aus den Sprößlingen unzählige Pflanzenarten und der andere erschuf die verschiedenen Tiere und die Zweibeiner. Lange Zeit trieb die kleine Schale ruhig und friedlich über das Wasser des Urmeeres. Die beiden Götter hielten sich meist im Verborgenen und sahen zu wie die Pflanzen, Tiere und Zweibeiner sich in Eintracht und Frieden entwickelten. Sie ahnten noch nichts von der Gefahr die ihrer Welt drohte. Während der ganzen Zeit, in der die zwölf Götter die Weltscheibe erschufen, waren sie beobachtet worden. Hinter einem Stein saß der dreizehnte Gott und sah voller Neid auf das Werk der Zwölf. Er haßte sie alle, denn er wäre niemals in der Lage gewesen so etwas wunderschönes zu erschaffen. Er war auf das Werk neidisch. Selbst wenn er in der Lage gewesen wäre nur einen kleinen Beitrag zur Schöpfung beizusteuern hätte er es nicht getan. Dazu war er viel zu selbstsüchtig. Er konnte es nicht ertragen wie die zwölf verhaßte Götter ihre Arbeit bewunderten. Sein Entschluß die Weltscheibe zu zerstören stand von vornherein fest. Er konnte zwar gegen die zwölf nichts ausrichten, dafür war er viel zu schwach. In seiner ohnmächtigen Wut wollte er wenigstens ihre Schöpfung vernichten. Seine Bösartigkeit lies ihn aber bald von blinder Zerstörungswut auf einen viel gräßlicheren Gedanken kommen. Seine Rache war viel wirkungsvoller wenn er die Schale nicht zerstörte sondern sie ein wenig veränderte. Seine kranke Phantasie arbeitete sofort die abartigsten Ideen aus. So sollten zum Beispiel alle Pflanzen giftig sein und alle Lebewesen die sich von den Früchten ernährten töten, die Tiere sollten sich alle gegenseitig auffressen und die Zweibeiner sollten nur dazu geboren werden um ihresgleichen möglichst zahlreich umzubringen. Zusätzlich schwebten ihm noch mächtige und bösartige Geisterwesen vor welche die Welt terrorisieren sollten. Die ganze Welt sollte dazu verdammt einen einzigen langsam und qualvollen Tod zu sterben. Er machte sich sofort ans Werk und zauberte auf ein Stück Rinde die abartigsten Geschöpfe die man sich vorstellen konnte. Wenn diese Wesen auf die Welt gelangten würden sie alles und jeden verseuchen, die entarteten Geschöpfe konnten sich dann ungehemmt vermehren und so den langsamen Tod der Weltscheibe herbeiführen. Er brauchte nicht lange für sein grausiges Werk, denn er mußte eigentlich nur darauf achten das seine Schöpfung ordentlich mißlang. Sie mißlang ihm wahrhaft gründlich, seine Brut war so abgrundtief böse und abartig, daß sich die Rinde schwarz verfärbte und kaum mehr zum schwimmen geeignet war. Das wichtigste an den unzähligen Dämonen die sich auf der verkohlten Rinde befanden war aber ihre Eigenschaft die schützende Kuppel der Weltscheibe durchdringen zu können. Der dreizehnte Gott schlich sich mit seiner dunklen Schöpfung weit von den Zwölf Göttern weg. Er wartete an einer Stelle wo sie ihre wunderbare Weltscheibe nicht mehr sehen konnten und wartete. Nach langer Zeit trieb sie endlich einmal in seiner Nähe vorbei, er setzte die verkohlte Rinde aufs Wasser und gab ihr einen Stoß. Der Zusammenprall war unausweichlich, die Dämonen stürzten sich sofort wie eine dunkle Sturzflut über die Weltscheibe. Die kleine Schale schien verloren, das Böse war übermächtig und schien unaufhaltbar zu sein. Das wir heute noch relativ friedlich auf unserer Welt Leben könne verdanken wir nur dem Umstand daß der dreizehnte Gott nicht bemerkt hatte wie sich die beiden anderen Götter auf der Welt niederließen. Die beiden konnten das Allerschlimmste verhindern und den Großteil der Dämonen und bösartigen Geschöpfe vernichten oder zurück ins Urmeer werfen. Doch der Angriff kam zu überraschend und es waren zu viele. Einige der Ungetüme konnten sich vor den beiden Göttern verbergen und oder sich erfolgreich vor ihrem Zugriff schützen. Ein kleiner Teil des Bösen Gottes lebt seit diesem Tag in uns allen, bei manchen mehr, bei manchen weniger. Auch die Tier und Pflanzenwelt wurde nicht verschont und das Böse konnte sich auch dort ein wenig ausbreiten. Seit diesem verhängnisvollen Tag ist ein ewiger Kampf von Gut und Böse entbrannt dessen Ausgang niemand vorhersagen kann. Was aus den beiden Göttern wurde ist ungewiß, vielleicht sind sie bei dem Kampf so geschwächt worden, daß sie nun für lange Zeit schlafen oder sie mußten überhaupt flüchten. Es besteht eine vage Hoffnung den ursprünglichen Zustand der Welt wieder herzustellen. Wenn wir eines Tages am Ufer, wo die Götter weilen vorbei treiben, könnten sie unser Leid entdecken und uns von unserer Geißel befreien. Aber wer kann wissen wo wir uns im ewigen Ozean gerade befinden? Bis zu diesem Tag kann es für einen aufrechten Zweibeiner nur ein Ziel im Leben geben, - das Böse überall und mit allen Mitteln die ihm zur Verfügung stehen zu bekämpfen. In Mystia werden viel Titel und Ehrennamen verliehen. Viele davon sind vom Stand und von der Geburt abhängig. Einen Titel jedoch kann jeder erwerben, egal welchen Stand er inne hat und welcher Rasse er angehört. Einen Titel der, wenn er zurecht erworben wurde, in jedem Namen eines Bauer, Krieger und König vorkommen sollte. Hinter jedem Namen sollte stehen; wer immer es auch sei - Bekämpfer des Bösen -
© Andreas Bartl |