KAPITEL 11 Knantum Am Morgen des nächsten Tages gab es in aller Frühe einen Tumult am äußeren Burgtor. Eine Turmwache schrie zu den Kriegern beim Tor hinunter: "Öffnet das Tor! Schnell, beeilt euch!" Aus den Höfen strömten immer mehr Zweibeiner zum Tor um zu sehen was dort los war. Davidudl drängte sich durch die Menge und half mit, den schweren Riegel auf die Seite zu schieben. Die Torflügel schwangen ächzend auf. Ein Reiter trabte in Schlangenlinien dem Tor entgegen. Er hing gebeugt im Sattel und konnte sich kaum noch oben halten. Seine Kleidung war zerfetzt und mit verkrusteten Blut durchtränkt. Ein paar Männer zogen ihn vom Sattel herunter und setzten ihn behutsam auf den Boden. Eine Magd reichte dem Verwundeten eine Schale Wasser die er gierig austrank. Nachdem er die Schale dankend zurück gereicht hatte sah er sich um und ließ dann resignierend den Kopf hängen. Er murmelte mehr zu sich selbst: "Das ist das Ende... es gibt keine Hoffnung mehr..." Anaid hatte inzwischen eine Bahre bringen lassen und begleitete den Mann in ein Nebengebäude um seine Wunden zu versorgen. Die Gefährten kamen ebenfalls um nach dem Verwundeten zu sehen und versammelten sich um sein Lager. Er begann niedergeschlagen zu erzählen: Vorige Nacht war er aus Burg Knantum, die etwas oberhalb von Drachenhort lag, geschlichen. Knantum war vor zwei Tagen Überfallen worden. An die hundert Orks, zwanzig magische Ritter, drei rotgekleidete Magier und ein Steingolem waren nach kurzer Belagerung durch ein Loch in der Burgmauer eingedrungen. Der Steingolem hatte pausenlos auf die Steinmauer geschlagen und diese zum Einsturz gebracht. Haro Zweischlag, der Burgherr, einige Krieger, die Reste der Dienerschaft und die Magiergilde verschanzten sich nach einem langen, verlustreichen Kampf im Bergfried. Die Magier legten ein magisches Schild um den Turm, der selbst für den Steingolem nicht zu überwinden war. Nach einigen erfolglosen Versuchen den Bergfried einzunehmen gaben die Belagerer auf und entschlossen sich allem Anschein nach die Eingeschlossenen auszuhungern. Der Proviant im Bergfried hätte zwar für einige Wochen gereicht, aber Haro Zweischlag traf sofort die Entscheidung Hilfe zu holen. Er befürchtete die Belagerer könnten sich etwas wirkungsvolleres als den Steingolem gegen den magischen Schild einfallen lassen. Der Verwundete nahm wieder einen Schluck aus einer Wasserschale und erzählte weiter: Er war gestern Nacht war er aus dem Turm geschlichen. Die Magier zauberten eine Lücke in das magische Schutzschild durch die er schlüpfen konnte. Seine Flucht wurde aber entdeckt und verfolgt. Er konnte gerade noch entkommen. Den ganzen Tag und die Nacht ritt er abseits der Wege durch unwegsames Gehölz. Manchmal sogar halb bewußtlos, denn seine Wunden hatten stark geblutet. Er war gekommen um die Casters um Hilfe zu bitten. Aber als er die geschwärzten Mauern der Burg und den verwüsteten Boden davor gesehen hatte wußte er sofort, daß auch hier eine Schlacht getobt hatte. Seine Hoffnung auf rasche Hilfe war mit einem Schlag zerstört. Die nächste Festung war viele Tagesreisen entfernt, viel zu weit um rasch Hilfe zu holen. Der Krieger sank niedergeschlagen auf sein Lager zurück und ließ seine Wunden versorgen. Die Gefährten überließen ihn der Obhut eines Burgfräuleins das sich besonders intensiv um ihn kümmerte und zogen sich zur Beratung zurück. Eine Armee aus den Überlebenden der gestrigen Schlacht aufzustellen schien wenig Sinnvoll denn die Krieger und Ritter waren müde und abgekämpft. Da sie nicht unter dem segensreichen Einfluß Whuosas standen hatten sie sich auch nicht, so wie die geweihten Gefährten, über Nacht vollständig regeneriert. Ein Großteil der Ritter aus Brilante war ohnehin nicht verfügbar, der König konnte unmöglich ohne Eskorte zurückreisen. Am vernünftigsten erschien die Vorgänge in Knantum erst einmal auszukundschaften. Nach kurzem hatten sie sich geeinigt wer dem Spähtrupp angehören sollte. Noch heute Nacht sollten Davidudl, Anaid, Eduardo und Kardoc mit den Flugdrachen aufbrechen, so nahe wie möglich an die Burg heranfliegen und dann zu Fuß weiter schleichen. Knepp, Knapp und Ibraha sollten für alle Fälle in Drachenhort bleiben, falls sich irgendwo in der Gegend noch ein paar größenwahnsinnige Orks herumtrieben. Die vier Kundschafter packten ihre Ranzen zusammen und bestiegen wenig später ihre Flugdrachen. Ibraha flog ebenfalls mit um die Tiere wieder zurück zu führen, in der Nähe der Burg wollten sie ihre Drachen keinesfalls zurücklassen; Orks fraßen so ziemlich alles was in Mystia herumlief, oder aus dem Boden wuchs. Nach einigen Stunden in der Luft sahen sie in der Ferne die Burg und landeten in sicherer Entfernung auf einer Lichtung des Laubwaldes der den Burghügel umgab. Ibraha machte sich mit den Flugdrachen gleich wieder auf den Rückweg. Nachdem Ibraha hinter den Baumwipfeln verschwunden war schlichen die vier Kundschafter in der Deckung des Waldes langsam um die Burg. Die große Lücke in der Mauer war deutlich zu sehen. Gleich neben dem Burgtor klaffte ein fünf Schritt breiter Spalt in der Burgmauer. Anscheinend waren die meisten Steine ins Innere gestürzt, denn auf dem Hang lagen nur ein paar kleinere Gesteinsbrocken. Ansonsten schien die Burg unbeschädigt zu sein, zumindest sah es von Außen so aus. Oben, auf den beiden Türmen neben dem Haupttor, standen Wachen und blickten regungslos ins Innere der Burg. Sie sahen Nataskriegern ähnlich, aber von dieser Entfernung war das noch nicht genau festzustellen. Ansonsten waren keine Wächter zu sehen, die Belagerer schienen sich sehr sicher zu fühlen. Die Gefährten hatten die Burg umrundet und waren auf keine Patroullie gestoßen, ihre Ankunft war offensichtlich unbemerkt geblieben. Sie versteckten sich im Unterholz, in der Nähe der zerstörten Mauer und beobachteten die Burg. Manchmal hörten sie eigenartige Geräusche, splitterndes Holz, Glasklirren und Orkgebrüll. Anscheinend randalierten die Orks dort drinnen gerade, zu sehen war aber nichts. Obwohl die Wächter auf den Türmen starr ins Burginnere blickten war an einen Aufstieg über den deckungslosen Burghügel bei hellem Tageslicht nicht zu denken, das Gelände war viel zu leicht zu übersehen. Sie beschlossen den Einbruch der Dunkelheit abzuwarten und dann den Hügel hinaufzusteigen. Die Schatten wurden langsam länger, während die Gefährten den Hügel beobachtete. In der Burg wurden Feuer entzündet deren Schein bis zur zerstörten Mauer reichte. Kaum war die Sonne untergegangen schlichen sie zwischen den niedrigen Sträuchern dem Hügel entgegen. Anaid ging voran, sie huschte jede noch so kleine Deckung nutzend zum Burghügel. Nur schemenhaft war ihre Gestalt im noch schwachen Mondlicht zu sehen. Sie glitt wie ein dunkler Schatten geräuschlos zwischen den niedrigen Sträuchern auf die Burg zu. Sie hätte aber ohne Bedenken genauso gut durch die Gegend trampeln können, denn hinter ihr knirschten und schepperten die Rüstungen von Davidudl und Kardoc die sich durch das unwegsame Gelände kämpften. Eduardo verursachte ebenfalls einigen Lärm denn er blieb dauernd mit seiner Robe an den Ästen und Dornen der Gebüsche hängen und befreite sich immer ziemlich laut von dem lästigen Grünzeug. Die Orks waren aber auch nicht gerade leise und so erreichten die Gefährten unbemerkt den Fuß des Geröllhanges vor der Burg. Bis zur Mauer waren es sicher noch hundert Schritt hinauf und es gab so gut wie keine Deckungsmöglichkeit. Die beiden Wachen auf den Türmen standen noch immer unverändert oben, fast hätte man meinen könne es seine nur leere Rüstungen. Die Orks waren aus dem Spalt in der Mauer deutlich zu hören, sie feierten wahrscheinlich ausgiebig ihren bevorstehenden Sieg. Diese Siegesfeier kam den Gefährten gar nicht ungelegen, bei diesem Lärm dürfte es keine Schwierigkeit sein unbemerkt den Hügel hinaufzuklettern. Nach einem letzten sichernden Blick ob nicht doch irgendwo andere Wachen patrouillierten liefen sie geduckt den Hügel hinauf. Sie hatten noch nicht einmal die Hälfte des Weges zurückgelegt als Kardoc plötzlich abrutschte und mit einer kleinen Steinlawine wieder ein Stück hinunterschlitterte. Die Wachen reagierten glücklicherweise nicht auf den Lärm und starrten weiterhin auf den Innenhof, die dunklen Gestalten am Hügel blieben vorerst unentdeckt. Der Hang wurde immer steiler und heimtückischer, bei jedem Schritt drohte der Untergrund nachzugeben. Knapp vor der Oberkante rutschte auch Eduardo fast den halben Hang wieder hinunter, begleitet von einer verräterischen Steinlawine. Davidudl und Anaid erreichten als erste den schmalen Streifen befestigten Bodens vor der Burgmauer. Während Kardoc auf allen Vieren die Kante zu erreichen versuchte, tauchten plötzlich zwischen den eingestürzten Mauerbrocken acht Orks auf. Sie zögerten einen kurzen Moment und stürzten sich dann grölend auf die Eindringlinge. Einer der Orks kam nur zwei Schritte weit, er stolperte über einen Stein und schlug sehr unsanft am Boden auf. Ein zweiter hatte äußerste Schwierigkeiten seinen Säbel aus dem Gürtel zu ziehen, ein Lederband hatte sich am Griff verschlungen. Der dritte schwang überhaupt statt dem Säbel eine große Korbflasche. Die Siegesfeier war anscheinend noch voll im Gange denn die Orks waren stockbetrunken. Kardoc zog sich gerade rechtzeitig über die Kante um sich den Orks entgegen zu stellen. Davidudl lief mit wenigen Sätzen an den Orks vorbei und schnitt ihnen den Rückweg in die Burg ab. Anaid stand hinter Kardoc und streckte den vordersten Ork mit einem gezielten Pfeil nieder. Die Orks brüllten und tobten als sie sich zur Flucht wenden wollten und genau in Davidudls Schwert liefen. Daneben polterten noch immer Steine über den Hang; Eduardo erklomm ziemlich geräuschvoll den Hang. In der Burg war es aber mindestens genau so laut und die Vorgänge bei der Mauer blieben unentdeckt. Der Kampf war sehr kurz, die Orks leisteten in ihrem Zustand kaum wirksame Gegenwehr. Als Eduardo über die Kante kletterte streckte Davidudl soeben den letzten Ork nieder. Die Gefährten schlichen im Schatten der großen Mauerbrocken in die Burg, die Steinquader lagen bis weit in den Innenhof verstreut. Rechts befand sich das Haupttor mit den beiden Wachtürmen und genau gegenüber auf der anderen Seite des Hofs ein zweites, etwas kleineres Tor das anscheinend in den Haupthof führte. Ein Torflügel war aus den Angeln gerissen und lag am Boden. Hinter dem zerstörten Tor hörte man die Orks brüllen und johlen, der Schein ihres Feuers beleuchtete den Vorhof mit schwachem, flackernden Licht. Links und rechts neben dem eingeschlagenen Tor ragte zwei Wachtürme in die Höhe. Sie waren ebenfalls mit Nataskriegern besetzt. Sie blickten in den Haupthof, ebenso regungslos wie die beiden Wachen beim Haupttor. Langsam schlichen sie im Schatten der Steinblöcke weiter. Plötzlich begann eine bekannte Stimme zu sprechen, monoton, hohl und ohne irgend einen Ausdruck gab die Stimme irgendwem den Befehl aufzustehen. Hinter einem großen Schutthaufen, unweit des Haupttores, richtete sich ein Nataskrieger auf und wiederholte dauernd: "Aufstehen und mitkommen." Er stand mit dem Rücken zu ihnen. Davidudl kroch langsam um den Steinhaufen, dahinter lagen und saßen sechs Orks und widersetzten sich dem Befehl oder beachteten den Nataskrieger überhaupt nicht. Zwei Orks taumelten, einander stützend, vor dem Nataskrieger und versuchten ihn mit Fußtritten zu verjagen. Die anderen waren mit Korbflaschen oder anderen Beutestücken aus der Burg beschäftigt welche sie ausgiebig beschnüffelten. Wortlos, durch ein paar Handzeichen, bereiteten die Gefährten einen Überraschungsangriff vor. Anaid blickte auf die vier Wachtürme von denen man in den Hof einsehen konnte. Von den beiden Türme gleich neben ihnen beim Haupttor drohte kaum Gefahr, der Blickwinkels war viel zu steil. Die beiden Wachen beim inneren Tor stellten momentan auch keine Gefahr dar, sie starrten unverwandt in den Haupthof. Anaid nahm vier Pfeile und den Bogen in die linke Hand, den fünften Pfeil spannte sie in die Sehne des Bogens. Die Orks und der Nataskrieger mußten blitzschnell getötet werden, ehe sie Alarm schlagen konnten. Sie schlichen zu beiden Seiten des Schutthaufens so nahe wie möglich vorwärts. Anaid richtete sich etwas auf und visierte einen offensichtlich noch nüchternen Ork an. Sie blickte noch ein letztes mal zu den Wachen, dann ließ sie die Sehne los. Gleichzeitig mit dem kurzen Surren des Pfeils sprang Davidudl auf und rannte mit gezogenen Schwert auf den Nataskrieger zu. Kardoc lief auf der anderen Seite zu den Orks und holte weit mit seinem Knochenschinder aus. Eduardo richtete sich ebenfalls auf und zauberte eine magische Eiskugel die einem Ork mitten in den Kopf schlug. Daneben stürzte ein zweiter Ork von Anaids Pfeil tödlich getroffen zu Boden. Der Nataskrieger und die restlichen Orks begriffen noch gar nicht was hier vorging als Anaid schon den dritten Pfeil in die Sehne legte. Davidudl schlug mit aller Gewalt auf die eiserne Halskrause des Nataskriegers ein. Der hohle Ritter taumelte ein paar Schritte seitwärts, Davidudl holte bereits wieder aus um ihm den Helm vom Kopf zu schlagen. Kardocs Axt krachte durch die schwere lederne Rüstung eines Orks und zerschmetterte ihm das Rückrad. Eduardo zauberte die zweite Eiskugel. Er war allerdings etwas aufgeregt, so ein Gemetzel war er doch noch nicht gewohnt. Nur eine einzelne Silbe des Zauberspruchs formulierte er etwas ungenau. Statt der Eiskugel zauberte er sich eine dicke Schicht Rauhreif auf seine Hände. Davidudl schlug ohne Gnade auf den Hals des Nataskriegers ein und aus der eisernen Verbindungsmanschette zwischen Helm und Rumpf strömte bereits etwas roter Rauch. Ein weiterer Ork brach mit einem Pfeil durchbohrt stöhnend zusammen. Eduardo zauberte sich noch einmal kalte Finger und Kardoc griff einen anderen Ork an, der urplötzlich ausgenüchtert war. Endlich gelang Eduardo die magische Eiskugel wieder und den magischen Silben folgte eine schwach leuchtender Streifen der in den Körper eines Orks eindrang. Der Ork ging vom Kälteschock gezeichnet in die Knie und Kardoc schlug ihm die Axt in den Schädel. Davidudl hatte inzwischen die Nieten des Nataskriegers so schwer beschädigt, daß sich der Helm vom Rumpf löste und die Rüstung haltlos zusammenklappte. Der magische Inhalt hatte sich nach wenigen Augenblicken verflüchtigt. Der letzte Ork rannte bereits zum Innentor aber nach wenigen Schritten hatte ihn Anaids Pfeil eingeholt und er stürzte Kopfüber zwischen die Steine der zerstörten Burgmauer. Die Gefährten duckten sich rasch hinter die Steinblöcke und lauschten. Es waren keine Alarmrufe zu hören. Die Orks feierten noch immer lautstark in der Burg und die Wachen hatten offensichtlich nichts bemerkt. Eduardo zeigte auf den Wehrgang zwischen den beiden Türmen beim Innentor, eine Rüstung schimmerte matt im Mondlicht, der Ritter ging ein paarmal zwischen den Zinnen hin und her und schaute dabei in ihre Richtung, auf den Vorhof. Nach einigen bangen Momenten wendete sich der Wächter aber wieder ab und ging langsam auf den linken Turm zu um wenig später darin zu verschwinden. Der Kampf war tatsächlich im allgemeinen Radau untergegangen. Nachdem sich eine Weile nichts gerührt hatte schlichen die Gefährten im Schatten der Burgmauer zum Innentor. Ein Torflügel lag mitsamt den Angeln, die teilweise noch mit Mauerresten verbunden waren, im Innehof. Wahrscheinlich wurde das Tor vom Steingolem eingetreten. Der Hof war ziemlich verwinkelt. Vor ihnen ragten links und rechts zwei Steingebäude weit in den Hof und verstellten die Sicht. Irgendwo weiter hinten links brannte das Lagerfeuer, von dort kam auch der Lärm. Auf dem Hof sah es ziemlich wüst aus, die Orks hatten anscheinend die Einrichtung der Burg aus den Fenstern geworfen und teilweise angezündet. Zwei umgestürzte Wagen und andere Gerätschaften aus der Burg lagen ebenfalls schwer beschädigt herum. Zwischen den Trümmern lagen auch einige Tote, nicht nur Krieger sonder nach der Kleidung zu schließen auch Angehörige des Burggesindes. Die Gefährten duckten sich am Boden und blieben im Schatten des Durchgangs versteckt. Die Wächter auf den Türmen konnten sie zwischen den Trümmern des eingestürzten Tores kaum bemerken. Anaid zeigte nach links wo sich die Stallungen befanden und robbten langsam nach vorn in den Hof. Sie erreichten unbemerkt das offene Stalltor. Von den Tiere waren nichts zu hören und nichts zu sehen, sie waren wahrscheinlich durch die zerstörte Mauer geflüchtet oder von den Orks gefressen worden. Vom Stalltor weg führte links und rechts ein breiter Gang zu den Stellplätzen. Davidudl wollte soeben den Gang betreten aber Anaid hielt ihn zurück und zeigte auf einen Strohhaufen, etwas bewegte sich dahinter. Davidudl zog das Schwert und ging leise vorwärts, seine Rüstung schepperte diesmal etwas weniger weil auf dem Holzboden überall Stroh lag das seine Schritte dämpfte. Hinter dem Strohhaufen stand ein Ork. Er hörte die dumpfen Schritte und drehte sich überrascht um. Doch ehe er reagieren konnte hatte ihm Davidudl die Kehle aufgeschlitzt. Der Ork brach lautlos zusammen. Aus einem der hinteren Abteile hörte man Gegrunze. Gemeinsam schlichen sie nach hinten und stießen drei schwer betrunkenen Orks ihre Klingen in den Leib. Sonst war niemand mehr in den Stallungen. Auf der anderen Seite des Stallgebäudes, in der Nähe der Außenmauer, entdeckten sie eine kleine Tür die weiter ins Innere der Burg führte. Nach ein paar Schritten erahnten sie bereits wo die Treppe enden würde. Die schmalen Stufen führten nach oben in die Richtung der Wachtürme beim zerstörten Innentor. Der Gang war in großen Abständen von Fackeln beleuchtet. Nach kurzem erreichten sie einen kleinen quadratischen, fensterlosen Raum, eine Turmkammer. An der gegenüberliegenden Wand versperrte eine stabile Holztür den Weg. Eduardo wagte einen vorsichtigen Blick durch das vergittertes Guckloch. Hinter der Tür befand sich der Wehrgang der die beiden Wachtürme über dem Innentor verband. Momentan patrouillierte niemand darauf, aber das konnte sich rasch ändern. Davidudl stieg bereits eine schmale Steintreppe den Turm hinauf, sie durften hier nicht zu lange bleiben. Die geländerlose Treppe führte an der Wand entlang zu einem kleinen Ausstieg im Deckengewölbe. Die hölzerne Falltür stand offen, von oben war kein Geräusch zu hören. Davidudl steckte vorsichtig den Kopf durch die Falltür. Der Turm war überdacht und somit fiel hinter die Zinnen kaum Mondlicht. Nur an den hölzernen Balken des Schindeldachs sah man schwach den Schein des Feuers. Der Turm war leer, bis auf einen Nataskrieger der nahe an den Zinnen stand und völlig regungslos in den Innenhof starrte. Er stand mit dem Rücken zur Falltür, seine Rüstung schimmerte matt. Während Davidudl den Krieger beobachtete und überlegte wie man ihn möglichst ohne Aufsehen zu erregen beseitigen konnte, entdeckte er einen kleinen Spalt zwischen der Schulterplatte und dem Rückenpanzer des Nataskriegers. Die Rüstung war dort eindeutig beschädigt was man unschwer am rötlichen Leuchten sehen konnte. Davidudl stieg so leise wie möglich aus der Falltür, drei Schritte trennten ihm noch vom Nataskrieger. Er visierte mit der Schwertspitze den Spalt in der Rüstung an und sprang vorwärts, sein Kettenhemd schepperte laut, der Nataskrieger reagierte aber zu spät. Als er sich umdrehen wollte stieß ihm Davidudl das Schwert in den Spalt und drehte es um, die eiserne Platte löste sich, und sofort entwich der rote Rauch aus dem Inneren. Der Nataskrieger stürzte scheppernd zu Boden. Davidudl duckte sich hinter den Zinnen und beobachtete den anderen Wachturm, aber dort blieb alles ruhig. Sie stiegen die Treppe wieder hinunter und schlichen über den Wehrgang zum gegenüberliegenden Turm. Davidudl versuchte auch dort einen Überaschungsangriff auf den Wächter, aber der Nataskrieger hörte ihn zu früh. Auf dem Wachturm herrschte binnen weniger Momente ein ziemliches Gedränge als die Gefährten gemeinsam auf den magischen Krieger einschlugen. Nachdem auch dieser seinen magischen Inhalt in der Luft verteilt hatte gingen sie den Turm hinunter und über einen Wehrgang der Außenmauer, zu einem der Türme beim Haupttor. Der Nataskrieger wurde mit wenigen Schwertstreichen erledigt. Am gegenüberliegen Turm, bei der eingestürzten Mauer, stand der letzte Wachposten. Aber er war nicht von hier nicht zu erreichen, die beiden Türme hatten keine Verbindung. Die Gefährten gingen im Schatten der Mauerzinnen zurück und entdeckten einen schmalen Durchgang der zu einem offenen Gang unter dem Dach eines Gebäudes im Innenhof führte. Sie betraten vorsichtig den überdachte Gang. Das hohe Haus reichte bis weit in den Innenhof, und am Ende des Gebäudes spannte sich ein steinerner Bogen zum Haus auf der gegenüberliegende Seite. Auf dem Steinbogen patrouillierte ein Nataskrieger. Nach einigen Schritten entdeckte Anaid eine angelehnte Tür die ins Innere des Gebäudes führte. Der fackelbeleuchtete Gang dahinter bot einen grausigen Anblick. Dutzende Leichen lagen kreuz und quer auf dem Steinboden, ihr Blut hatte die Fugen der Bodenplatten gefüllt. Diese Zweibeiner waren anscheinend in die falsche Richtung geflohen und hier von den Orks und Nataskriegern abgeschlachtet worden. In den Kammern lagen ebenfalls Tote, sie hatten sich hinter ihren schwachen Holztüren verschanzt aber die dünnen Bretter waren alle eingetreten worden. An der Treppe zum Untergeschoß lagen Ritter die den Aufgang wahrscheinlich eine Weile verteidigt hatten. Anaid entdeckte in einer Kammer einen schwer verletzten Ork, er hatte eine klaffende Schwertwunde die über Schulter und Brust reichte. Seine Artgenossen ließen ihn hier offensichtlich verrecken. Er nahm die Vier kaum wahr und wand sich unter Schmerzen. Davidudl holte bereits mit dem Schwert aus um ihm den Kopf abzuschlagen, aber die anderen hielten ihn zurück. Vielleicht konnte man irgendwelche Informationen aus ihm herauslocken. Der Ork reagierte aber kaum auf ihre Worte, der Blutverlust hatte ihn schon erheblich geschwächt. Kardoc zauberte einen leichten Heilspruch, gerade so stark, daß der Ork wieder halbwegs ansprechbar war. Die Wunde schloß sich wenige Augenblicke nachdem der Zwerg mit seiner Hand darüber strich. Der Ork rutschte zur Mauer zurück und beobachtete die bewaffneten Zweibeiner argwöhnisch. Eduardo versuchte ihm zu erklären, daß er nichts zu befürchten hätte wenn er sich gesprächig zeige und keinen Ärger machte. Anaid versuchte ihn ebenfalls zu überzeugen, daß es weitaus gesünder für ihn war Auskünfte über die Nataspriester und ihre Helfer zu erteilen. Der Ork war aber völlig verblendet und stammelte nur irgendwelche Racheschwüre. Davidudl drängte sich nach vorne und wollte den Ork nun endlich abstechen, aber Kardoc hielt ihn zurück und erinnerte ihn an seinen Schwur, Osak hatte die natasbesessene Frau hingemetzelt und dafür mit seinem Leben bezahlt. Man wußte zwar nie genau wann ein Opfer als wehrlos zu bezeichnen war, aber dieser Ork hier war es eindeutig. Davidudl verließ erbost die Kammer und sagte er habe etwas besseres zu tun als mit einem Ork herumzulabern. Nach einiger Zeit brachen aber auch die Anderen das erfolglose Gespräch ab. Davidudl kam zurück und berichtete, daß im unteren Geschoß niemand war und die einzige Tür des Hauses in den Haupthof führte. Sie fesselten und knebelten den Ork und gingen wieder auf den offenen Gang untere dem Dach hinaus. Draußen war wieder der Lärm der feiernden Orks zu hören. Der Nataskrieger patrouillierte noch immer auf dem Gang und versperrte den Weg zum nächsten Gebäude. Von hier schien kein Weg weiter zu führen. Als der Nataskrieger ihnen den Rücken kehrte streckte Anaid sich über das Geländer des Gangs und zog sich an einem Balken zum Dach hoch um einen Blick darauf zu werfen. Das Dach war nicht besonders steil und sah stabil aus. Sie beschloß sich von dort Oben etwas genauer umzusehen und glitt wieder hinter die Brüstung des Ganges. Der Nataskrieger stapfte jetzt wieder in ihre Richtung. Kaum hatte sich der Nataskrieger umgedreht, zog sie sich zum Dach hoch und rannte auf allen Vieren zum Dachgiebel. Lange bevor der Nataskrieger das andere Ende des Wehrganges erreicht hatte duckte sie sich schon auf der anderen Seite des Daches. Auf dieser Seite war es stockfinster. Unter ihr lag nur ein kleiner unbeleuchteter Hof der völlig leer war. An dieses Haus schloß kein Gebäude an und es lag direkt an der Burgmauer, von dieser Seite gab es also auch kein Weiterkommen. Als sie über das Dach zurückkam hatten Eduardo und Kardoc aber schon einen Plan ausgeheckt wie sie die Wache auf dem Steinbogen unauffällig außer Gefecht setzen konnten. Kardoc mußte ihn paralysieren, danach konnte Eduardo mit den relativ unauffälligen Eiskugeln seine Rüstung demolieren. Die beiden schlichen so nahe wie möglich heran und warteten bis sich der Nataskrieger wieder von ihnen abwendete. Kardoc stand auf, sprach die magischen Silben und - zauberte irgendetwas. Was die kleinen blauen Blitze an seinen Fingern bewirken sollten würde wohl für immer ein Geheimnis bleiben, ein Paralysespruch war es jedenfalls nicht. Der Nataskrieger bemerkte nichts von diesem Versagerspruch und sie warteten leise fluchend auf die zweite Gelegenheit. Und diesmal klappte es, trotz der Entfernung schaffte es Kardoc den blechernen Krieger unter seine Kontrolle zu bringen. Eduardo stand daneben und sprach die Silben der magischen Eiskugel. Das Ergebnis war ein lokaler Schneefall zu seinen Füßen. Die nächsten vier Eiskugeln gelangen ihm aber anstandslos und zerstörten die Rüstung des Nataskriegers. Als er scheppernd auseinander fiel, schmissen die Orks gerade wieder Möbel aus den Fenstern. Das blechernen Geklapper der Rüstung gingen im Splittern und Krachen des Holzes völlig unter. Der Weg über den Steinbogen war frei. Vom Wehrgang aus überblickten sie fast den gesamten Innenhof. Links brannte ein großes Feuer um das etwa dreißig Orks torkelten und sich dabei lautstark gebärdeten. Etwas abseits standen zwölf Nataskrieger völlig regungslos und an einer Hausmauer saß der Steingolem. Er war sicher sechs Schritt hoch. Seine rissige Haut sah tatsächlich aus als ob er aus Steinblöcken zusammengefügt wäre. Er saß ohne die geringste Bewegung an der Mauer. Etwas weiter hinten im Hof ragte der Bergfried in die Höhe. Ganz oben sah man aus einigen kleinen Fenstern Licht scheinen. Die Mauer darunter hatte zwar einige Schrammen aber sie hatte dem Ansturm des Steingolems standgehalten. Nataspriester waren keine zu sehen. Die verfluchten Prediger hatten sich sicher wieder irgendwo im Inneren der Burg eingenistet und erdachten dort neue Bösartigkeiten. Die Gefährten wurden auf eigenartige Geräusche aufmerksam und verließen den Steinbogen um sich im Innere des Gebäudes umzusehen. Durch die Gänge hallte es blechern und dazwischen hörte man dauernd Orkgebrüll. In der oberen Etage lagen wieder ein paar Zweibeiner die nicht rechtzeitig entkommen waren. Mit gezückten Waffen gingen sie eine breite Treppe ging hinunter, der Krawall wurde immer lauter. Ein breiter langer Flur führte zu mehreren Türen. Gleich nach der Treppe flogen gerade kleine Fässer und Säcke aus einem offenen Türrahmen. Die Gefährten schlichen sich heran und beobachteten vier Orks die sich gerade durch eine Vorratskammer wühlten. Davidudl stürmte als Erster hinein. Einer von Anaids Pfeilen streckte zugleich den ersten Ork nieder. Über Kardocs Kopf flog etwas furchtbar Kaltes aus Eduardos Hand und traf einen Ork mitten in den Kopf. Kardoc und Davidudl hatten nach wenigen Momenten die übrigen zwei getötet. In drei weiteren Kammern stießen sie nur mehr auf einzelne Orks die rasch und ohne viel Aufsehen zu erregen niedergestochen wurden. Der Lärm war aber kaum weniger geworden, die meisten Orks hatten sich ganz hinten am Ende des Flurs in einem großen Speisesaal versammelt. Die Orks wüteten derart, daß sie die Angreifer im ersten Moment gar nicht bemerkten. Anaid stand an der Tür und schoß ihre Pfeile mit tödlicher Genauigkeit. Eduardo zauberte, diesmal fast ohne zu versagen, ununterbrochen Blitze und Eiskugeln während Davidudl und Kardoc die überraschten Orks niedermetzelten. Es waren dreizehn Orks und mehr als die Hälfte war Tod bevor sie überhaupt begriffen, daß sie angegriffen wurden. Dann aber setzten sie sich wütend zur Wehr und nahmen alles was ihnen gerade unter die Finger kam zur Verteidigung. Ein Ork schaffte es sogar bis zur Tür und ging mit einem riesigen Fleischmesser auf Anaid los. Davidudl stieß ihm von hinten das Schwert zwischen die Rippen, doch der Ork warf noch im Sterben das Messer nach Anaid. Die Elfe war schon auf den nächsten Schuß konzentriert und bemerkte die Klinge nicht. Knapp an ihrem Hals vorbei schnitt das Messer in ihre rechte Hand, die den Pfeil in der Sehne gespannt hielt. Der Schuß ging daneben, Anaid sah verwundert auf den tiefen Schnitt aus dem langsam das Blut hervor quoll. Kardoc schlug in diesem Moment dem letzten Ork, der sich hinter Fässern verstecken wollte, Knochenschinder in den Schädel. Es war plötzlich sehr still, fast zu still. Kardoc befürchtete, daß die plötzliche Stille vielleicht irgendwem verdächtig vorkam. Eduardo behielt den Flur im Auge und Anaid verband ihre Wunde mit einem Stoffstreifen. Sie hatte zwar einen Heilungsspruch gesprochen, aber dieser hatte die tiefe Wunde nicht vollständig geschlossen. Davidudl knotete den Stoff um das Handgelenk der Elfe und meinte tröstend: "Das wird sicher eine ganz hübsche Narbe." Von draußen hörte man gedämpft die feiernden Orks beim Feuer, sie hatten anscheinend von den Kämpfen im Gebäude nichts bemerkt. Die Gefährten gingen wieder auf den Flur hinaus. Am Ende führte eine Tür auf einen kleinen Hof. Kardoc öffnete sie langsam. Die alten Angeln quitschten fürchterlich. Auf der linken Seite befand sich die Burgmauer, ihnen gegenüber eine hohe Tür - und Fensterlose Wand eines Gebäudes, rechts ein breites Tor das nur in den Haupthof führen konnte. Von dort hörte man auch die Orks lärmen. Über dem Tor befand sich ein überdachter Wehrgang zu dem an beiden Seiten der Mauern schmale Steintreppen hinauf führten. In der Mitte des Hofs lag der Burgbrunnen. Es war ein großer überdachter Ziehbrunnen der sofort Kardocs Nase anregte, der Zwerg vermutete einen Geheimgang im Brunnen. Diesen Verdacht bezweifelte auch niemand, denn jeder anständige Brunnen in Mystia hatte mindestens eine Geheimgang. Davidudl trat langsam aus der Tür um sich den Brunnen genauer anzusehen. Nach dem ersten Schritt drehte er aber wieder um und drängte die Anderen zurück ins Gebäude. Auf dem Wehrgang tauchte plötzlich ein Nataskrieger auf und blickte in den Hof. Er hatte Davidudl offenbar gesehen und überlegte gerade ob er Alarm schlagen sollte oder nicht. Es blieben nur wenige Augenblicke um etwas zu unternehmen. Der Nataskrieger beugte sich über die Brüstung und sah sich aufmerksam um. Eduardo und Kardoc beschlossen die gleiche Taktik wie auf dem Wehrgang vorhin anzuwenden. Kardoc trat aus dem Türrahmen und sprach die magischen Silben des Paralysespruchs. Der Nataskrieger richtete sich ruckartig auf, als er die kleine Gestalt ihm Hof sah die unmöglich ein Ork sein konnte. Er hob gerade einen Arm und wollte sich umdrehen als ihn die Wirkung des Spruchs traf; er erstarrte mitten in der Bewegung. Eduardo sprang aus der Tür zauberte Eiskugeln. Der Nataskrieger mußte möglichst schnell erledigt werden, wenn Kardoc die Kontrolle über ihn verlor brauchte er sich nur umzudrehen um im Haupthof Alarm zu schlagen. Eduardo stand mit ausgestreckten Armen im Hof und sprach ohne Unterbrechung die magische Formel, er durfte jetzt nicht versagen. Der Magier war aber viel zu nervös und verpatzte die meisten Sprüche. Endlich gelangen ihm aber doch ein paar Eiskugeln hintereinander und der Nataskrieger klapperte hinter der Brüstung des Wehrgangs zusammen bevor ihn Kardoc aus seine magischen Kontrolle verlor. Davidudl rannte sofort die Treppe hinauf um nach dem magischen Krieger zu sehen, er lag nur noch schwach rauchend auf dem Boden. Aber die Rüstungsteile lagen gefährlich nahe an der Wand zum Haupthof. Ein vorsichtiger Blick über die Brüstung beruhigte ihn. Die Orks lärmten dort unten unvermindert weiter und hatten nichts bemerkt. Er ging zur anderen Seite und deutete seinen Gefährten, daß alles in Ordnung war. Während die Drei die Steintreppe heraufschlichen untersuchte Davidudl eine Holztür am Ende des Wehrganges. Sie war unversperrt und führte ins nächste Gebäude. Zwei Fackeln beleuchteten einen kurzen geraden Gang. Davidudl schlich vorsichtig weiter und untersuchte die Wände erfolglos nach Geheimtüren. Auf der anderen Seite befand sich wieder eine Tür. Durch ein kleines Guckloch konnte man auf die andere Seite der Tür sehen. Dahinter befand sich ein offener Wehrgang der Burgmauer auf der ein Nataskrieger patrouillierte. Am Ende des Gangs ragte die Mauer des Bergfrieds in die Höhe. Aus den Fugen zwischen den großen Steinblöcken zuckten manchmal kleine Blitze über die Wand. Das mußte die magische Barriere sein von welcher der Bote erzählt hatte. Der Nataskrieger hielt gebührenden Abstand von der schwach leuchtenden Mauer und machte immer ungefähr fünf Schritt vor ihr kehrt. Er ging mit schweren Schritten seiner Eisenstiefeln auf die Holztür, hinter der die Gefährten lauerte, zu und drehte sich um. Sie rissen die Tür auf und Davidudl zerrte ihn von hinten im Würgegriff in das Gebäude. Während ihn Davidudl weiter würgte und seinen Helm herunter zu reißen versuchte, demolierten die Anderen den Rest seiner Rüstung. Nach kurzem Handgemenge löste sich der Nataskrieger in seine Bestandteile auf. Die Gefährten stiegen über die zerstörte Rüstung und duckten sich hinter den Zinne des Wehrgangs. Sie wurden dabei aufmerksam beobachtet. Ganz oben, aus einem Fenster des Bergfrieds, schaute eine regungslose Gestalt auf den Wehrgang. Eduardo winkte. Die dunkle Gestalt winkte zurück und verschwand. Nach wenigen Augenblicken drängten sich mehrere Personen im Fenster die heftig gestikulierten und irgend etwas mitzuteilen versuchten. Die Gefährten winkten und deuteten ebenfalls hinauf und versuchten den Eingeschlossenen mit Handzeichen zu erklären, daß sie schon eine Menge Orks und Nataskrieger beseitigt hätten. Die sinnlose Konversation dauerte eine Weile bevor Eduardo endlich einen Einfall hatte. Skiria, der Skelettvogel, zog sich immer wenn gekämpft wurde in sichere Entfernung zurück. Aber nun flatterte wieder um die Gefährten und bot sich geradezu als Botschafter an. Wenig später flog der kleine Geistervogel mit einem Stück Papier in den Krallen zum Turmfenster. Die Gestalten verschwanden und wenig später segelte Skiria mit einem Zettel wieder herunter. Die Eingeschlossenen wollten eine Lücke in der magischen Barriere für die Gefährten öffnen. Und zwar in einem Geheimgang der vom Bergfried bis zum Ziehbrunnen führte. Die Gefährten deuteten, daß sie verstanden hätten und eilten auf den kleinen Hof zurück. Im Brunnen war vorerst nichts als dunkelste Dunkelheit zu sehen. Der Geheimgang zweigte angeblich fünfzehn Schritt unterhalb der steinernen Brüstung irgendwo seitlich ab. Anaid kletterte als erste über das dicke Seil in die finstere Tiefe und ertastete den beschriebene Zugang zum Bergfried tatsächlich. Nachdem sie sich in die mannshohe Öffnung geschwungen hatte sprach sie ein paar magische Silben und die Umgebung begann zu leuchten. Hier unten konnte ihr magisches Licht mit Sicherheit von niemanden mehr entdeckt werden. Nachdem alle unten angekommen waren gingen sie den feuchten Gang weiter. Plötzlich hielt Anaid an. Fünf Schritte vor ihr lagen Gesteinsbrocken auf dem Boden und aus einem Loch in der Wand tropften dünne Fäden weißen Schleims. Es sah aus als ob sich hier einer dieser Würmer verkrochen hätte. Eduardo ging langsam vorwärts und stellte sich vor die Öffnung. Es war nichts zu hören und zu sehen aber er schickte sicherheitshalber einen Feuerball hinein. Die magischen Flammen züngelten weit in das Loch hinein doch es war anscheinend leer, der Wurm kroch vielleicht schon längst in einem anderen Gang herum. Sie gingen weiter und stießen bald danach auf eine steinerne Wand. Aus den Fugen zuckten kleine Blitze und zogen sich wie ein Netz über die Steine. Eduardo klopfte im vereinbarten Rhythmus gegen die Wand. Dreimal kurz und zweimal lang. Nach wenigen Momenten ließ das blaue Leuchten in den Mauerfugen nach und eine Geheimtür öffnete sich. Dahinter warteten eine Gruppe schwer gerüsteter Krieger mit Lanzen und Hellebarden. Sie verhielten sich abwartend und hielten die Stahlspitzen ihrer Waffen auf den schmalen Durchgang gerichtet. Dahinter sah man ein paar Magier die im Falle eines Angriffs sicher keinen Moment zögern würden. Ein Mann drängte sich zwischen die Krieger und steckte soeben sein Schwert in die Scheide. Er war mindestens einen Kopf größer und fast doppelt so breit als alle anderen. Haro Zweischlag in Person. Der hühnenhafte Burgherr drängte seine Krieger beiseite nachdem er einen sichernden Blick in den Tunnel geworfen hatte und empfing die vermeintlichen Retter mit seiner dröhnenden Stimme: "Willkommen, Willkommen. Verzeiht den ungastlichen Empfang, aber ich habe nicht damit gerechnet, daß der alte Caster so schnell Hilfe schickt." Die Vorfreude Haro Zweischlags wurde rasch getrübt als ihn die Gefährten über das Schicksal der Casters aufklärten und von der Schlacht erzählten. Während die Magier die Barriere wieder verschlossen ging Haro voran in einen hohen steinernen Saal. Die Baumeister von Knantum hatte unter dem Bergfried einige Räume geschaffen die nur von der Hauptkammer oberhalb, oder von einigen Geheimgängen erreicht werden konnte. Die Magier betraten nun ebenfalls den Saal und die Krieger stiegen, bis auf vier Wachen die sich neben Haro postierten, eine schmale Treppe an der Wand zum Bergfried hinauf. Haro nahm an einem großen Tisch Platz der von Schriftrollen und magischen Artefakten überquoll. Er blickte zu Davidudl und sagte freundlich: "Ihr seid also der neue Herr von Caster? Nun, ich hoffe wir werden ein ebenso gutes Verhältnis haben wie ich mit euren Vorgängern hatte." Nachdem die Gefährten ebenfalls Platz genommen hatten erzählte Haro von der Belagerung und von den eher fruchtlosen Bemühungen die bisher gegen die Angreifer unternommen wurden. Haro beherbergte seit langer Zeit eine Magiergilde in seinen Mauern, doch gegen den Steingolem hatten sie selbst mit vereinten Kräften nichts ausrichten können. Das steinerne Ungetüm hatte alles zermalmt was ihm unter die Pranken kam. Zum Zeitpunkt des Angriffs waren nur wenige Magier in der Burg und diese wenigen hatten noch dazu kaum Kampferfahrung. Die Gilde hatte es sich zur Aufgabe gemacht alles was es in Mystia über Magie zu wissen gab, hier in Knantum zusammen zu tragen. Die älteren und erfahreneren Magier schwärmten im ganzen Land aus und stöberten in allen Ecken und Winkeln nach interessanten Material für ihre Studien. Die Werke wurden dann in Knantum von den Lehrlingen kopiert und vervielfältigt. Hier in den unterirdischen Gängen der Burg gab es zahlreiche Kammern in denen mit unbekannten Zaubersprüchen experimentiert wurde, oder es wurden neue Sprüche aus Bruchstücken alter Überlieferungen kreiert. Haro winkte einen Magier heran und sagte mit etwas Stolz in der Stimme: "Zeig unseren Gästen doch einmal die Früchte eurer Arbeit." Der Magier holte aus einem Regal an der Wand ein dickes ledergebundenes Buch und legte es vor die Gefährten auf den Tisch. Es war ganz neu, das Leder roch noch stark nach dem Gerbemittel. Die Schrift war gestochen klar und nicht wie sonst in magischen Büchern, die meistens uralt waren, verschwommen und unleserlich. Der junge Magier verkündete ebenfalls mit Stolz, denn er hatte in nicht geringem Umfang daran mitgewirkt: "Dieses Werk enthält die kompletteste Sammlung von Zaubersprüchen die in dieser unserer Zeit in ganz Mystia zu finden sein dürfte. Dank unseres Gönners, Haro Zweischlag von Knantum, war es unserer Gilde möglich Zaubersprüche aus vielen Länder in diesem Buch zu vereinigen und somit dieses umfangreiches Nachschlagewerk niederzuschreiben. Diese Zaubersprüche sind allesamt von unseren ehrwürdigen Lehrmeistern erprobt und auf ihre Sicherheit geprüft worden." Eduardo hatte sich bereits vorgedrängt und betrachtete mit leuchtenden Augen die magischen Runen. Wenige Momente später war er mit dem Zauberlehrling bereits in ein Fachgespräch vertieft und gesellte sich mit ihm zu den anderen Magiern um Erfahrungen auszutauschen. Haro blickte etwas wehmütig zu den Magiern und meinte: "Leider verstehe ich die Magie nur theoretisch. Mein größter Wunschtraum war immer ein Magier zu werden, aber ich bin völlig ungeeignet. Lange Zeit habe ich mich erfolglos abgemüht, bis ich schließlich einsah, daß die magischen Silben für mein Mundwerk einfach nicht geschaffen sind. Durch meine weiten Reisen und Studien in fremden Städten lernte ich viele, und vor allem begabtere Zweibeinern kennen. Und im Laufe der Zeit entwickelte sich aus den Bekanntschaften allmählich diese Gilde." Er lächelte zufrieden und zeigte auf die hohen Bücherregale rundum: "Wenn ich schon selbst nicht zaubern kann, dann will ich doch wenigstens von Magiern umgeben sein." Ein nebenstehender, etwas älterer Magier meinte darauf: "Unser Burgherr kann vielleicht nicht zaubern, aber er leistet der magischen Kunst einen unschätzbaren Dienst indem er diese ganze Gilde hier finanziert. Dieses neue Zauberbuch wäre ohne seine Unterstützung undenkbar gewesen." Mit einem Wink auf das riesige Langschwert Haros fügte der Magier hinzu: "Unser Herr hat dafür andere Qualitäten die durchaus als magisch bezeichnet werden können." Haro nickte und erwiderte: "Ich habe notgedrungen die Magie gegen das Schwert getauscht. Aber ich glaube nicht, daß wir hier nicht mit Kampfgeschick prahlen müssen." Er wendete sich Davidudl zu: "Der Graf von Drachenhort und seine Begleiter müssen wahrlich große Kämpfer sein wenn sie bis hier hereingedrungen sind." Kardoc deutet auf Davidudl und meinte dazu lakonisch: "Wir haben ihn eigentlich nur mitgenommen damit er versperrte Türen eintritt..." Die nachfolgenden Gemeinheiten wurden durch einen Stoß in die Rippen des Zwerges unterbrochen. Davidudl schaute unschuldig in die Gegend. Haro war etwas verunsichert, er kannte das innige Verhältnis der Gefährten nicht, das ständig von gegenseitigen Beflegelungen geprägt war und lenkte das Thema rasch auf die scheinbar Ausweglose Situation der belagerten Burg. Er schlug vor, daß die Gefährten die Burg durch einen Geheimgang verlassen sollten um von wo anders Hilfe zu holen. Er selbst wollte den Bergfried auf keinen Fall verlassen, die magischen Schätze in den unterirdischen Kammern durften den Angreifern auf keinen Fall in die Hände fallen. Nötigenfalls könnten er und seine Getreuen, die sich ebenfalls weigerten Knantum zu verlassen, mehrere Wochen hier unten aushalten. Haro wollte eher hier im Kampf fallen als sein Lebenswerk irgendwelchen bösartigen Priestern zu überlassen. Während Haro sprach und Burgherren aufzählte die eventuell Hilfe entsenden konnten reifte bei den Gefährten wieder einmal ein wahnwitziger Gedanke. Sie meinten, daß die eigentliche Gefahr nur die drei Nataspriester darstellten, wenn diese irgendwie unbemerkt und vor allem einzeln getötet werden könnten, wäre der Rest nur noch ein Kinderspiel. Mit den betrunkenen Orks und den verbliebenen Nataskriegern wurden sie mit vereinten Kräften sicher fertig. Den Steingolem erwähnten sie bewußt nicht, in der Hoffnung, daß er ohne die Nataspriester rasch sein magisches Leben aushauchen würde. Haro Zweischlag war vorerst skeptisch aber nach und nach gefiel ihm der Plan. Wenn die Belagerung tatsächlich nur vom Leben der Nataspriester abhing hatte dieser verrückte Plan eine geringe Aussicht auf Erfolg, denn in Knantum gab es zahlreiche Geheimgänge durch die man in verschiedene Gebäude gelangte. Wenn es gelang die Nataspriester zu überraschen und die Belagerung wirklich nur von den Priestern abhing, konnte Knantum bis zum Morgengrauen befreit sein. Nachdem sich Haro mit seinen Ritter und Magiern beraten hatte kam er zu einem Entschluß. Er kannte jeden Winkel und jeden noch so geheimen Geheimgang der Burg. Mit der Hilfe der Gefährten wollte er die waghalsige Mission versuchen. Seine Ritter und Magier sollten hier auf ein Zeichen warten. Falls sie tatsächlich erfolgreich sein sollten, konnte man einen Ausfall wagen um die Burg mit einem Schlag zurückzuerobern. Davidudl warf einen fast neidischen Blick auf Haros immens dicke Oberarme und meinte, daß sie die drei Nataspriester sicher auch allein überwältigen konnten, Haro brauchte sich seiner Meinung nach wirklich nicht bemühen. Seine Gefährten waren aber absolut dagegen auf die Kampfkraft Haros zu verzichten und Davidudls fast provozierende Worte gingen im Wortschwall der anderen unter. Er deutet auf seine geschwellte Brust und sagte: "Wir sind auf jeden Fall stark genug für die paar lächerlichen Wichte, auch ohne euch!" Natürlich hatten seine Gefährten längst bemerkt, daß Davidudl auf Haro neidisch war und kosteten dies auch gebührend aus. Während sich im Saal die Stimmung wegen der zu erwartenden Befreiung merklich hob, sank Davidudls Gemütsverfassung immer mehr in den Keller. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wenn Haro gerade nicht zuhörte, wurde Davidudl mit Vergleichen gequält: "...Sie doch ich glaube Haro ist sogar im sitzen einen Deut größer als du, oder?... Ich glaube sein Schwert ist auch ein wenig größer, länger,... und sicher auch schwerer als deins! ... sieh nur, diese Oberschenkel! Unfaßbar, daß Haro mit so etwas überhaupt noch gehen kann..." Davidudls schwachen Einwände nützten überhaupt nichts, Haro Zweischlag ging mit, das stand felsenfest. Ein der älteren Magier trat an Haro heran und deutete auf Eduardo der mit Begeisterung im Zauberbuch las: "Wenn ihr nichts dagegen habt Herr, möchte die Gilde Siro Eduardo gestatten ein paar nützliche Sprüche in sein Zauberbuch abzuschreiben. Beim bevorstehenden Kampf könnte sich diese Großzügigkeit als sehr nützlich erweisen." Haro hatte nicht dagegen, im Gegenteil, er ließ von einem Zauberlehrling aus einem versteckten Wandfach acht Phiolen an den Tisch bringen. Es waren Zaubertränke, ein Teil der eisernen Reserven von Knantum, fünf Lebenstränke und drei Manatränke. Eduardo war wenig später mit Feder und Tinte ausgerüstet und malte sorgfältig die Runen in sein Zauberbuch. Für Anaid und Kardoc gab es im Zauberbuch der Gilde nichts zu holen es war ausschließlich für die Feuermagier gedacht. Anaid behandelte ihre Verletzung an der Hand mit einer heilenden Salbe damit kein Wundbrand entstand und legte sich anschließend einen leichten Verband an damit sie trotz der Wunde ihre Pfeile verschießen konnte. Die übrigen schärften ihre Waffen und ruhten sich etwas aus. Kaum war die Tinte in Eduardos Zauberbuch getrocknet machten sie sich von Haro geführt auf den Weg. Knantum sollte noch heute Nacht zurückerobert werden. Nachdem die Magier wieder eine Lücke in der magischen Barriere geschaffen hatten ging Haro in einen Gang voran, der aus dem Gildensaal direkt in die Burgschmiede führte. Mit zwei Fackeln ausgerüstet stiegen sie nacheinander in den düsteren schmalen Gang. Als Davidudl am Eingang kurz zögerte wurde er sogleich von Kardoc ermuntert : "Du kannst beruhigt weitergehen, wenn Haro mit seinen breiten Schultern durchpaßt kannst du auf keinen Fall steckenbleiben." Davidudl ging, ohne auf die Stichelei zu achten, weiter und verzichtete darauf dem Zwerg mit der Faust auf den Helm zu klopfen. Anaids war bereits ein Stück voraus und ihre Fackel leuchtetet nur noch schwach bis hierher. Nach etwa fünfhundert Schritt blieb Haro stehen und deutete schweigend nach oben. Über eine Leiter gelangte man in einen kurzen Schacht und zu einer hölzernen Falltür. Der Fußboden der Schmiede! Von oben war kein Laut zu hören. Die Fackeln wurden am Boden ausgetreten und alle machten sich kampfbereit. Haro stieg als erster mit der Schwertspitze voran nach oben und öffnete die Falltür vorsichtig einen Spalt. Gedämpft drang die geräuschvolle Siegesfeier der Orks herunter. Haro öffnete die Falltür vollends und blickte sich um. Die Schmiede war verlassen, das große Tor stand nur einen Spalt offen und das Licht der zahlreichen Feuer im Burghof drang nur ganz schwach herein. An der rückwärtigen Mauer der Schmiede führte eine Holztreppe nach oben, zu einem der Hauptgebäude. Haro ging zielstrebig voran, er wußte am besten wo sich die Nataspriester aller Wahrscheinlichkeit nach einquartiert hatten. Die hölzernen Stufen knarrte leise, Haro wartete bis alle vor der kleinen Tür am Ende der Treppe versammelt waren. Von der anderen Seite der Tür war nichts verdächtiges zu hören, aber die Gefährten spürten jetzt schon, daß irgendwo ein Nataspriester in der Nähe sein mußte. Die bekannte, unangenehme Aura war ihnen inzwischen mehr als vertraut. Haro öffnete die Tür und ein fackelbeleuchteter, leerer Gang wurde sichtbar. Nach einigen Schritten hielt Anaid an und deutet, daß sie etwas hörte. Tatsächlich, ohne das knirschen des Leders und dem leisen klimpern der Kettenhemden hörte man von weiter vorne einen monotonen Singsang. Den Gefährten war dieser Gesang nur zu bekannt. In der Schloßkapelle Geleas hatten sie diesen Gesang schon einmal gehört. In einer der Kammern zelebrierte ein Nataspriester seine unseeligen Rituale. Anaid ging voran um festzustellen von wo der Gesang kam. Der Gang zog sich quer durch das ganze Gebäude, vor der dritten Tür blieb sie stehen, legte den Pfeil in die Sehne und deutet mit der Spitze darauf. Kardoc blickte durch das Schüßelloch, der Gesang verstummte plötzlich. Es war, soweit man durch das Schlüsselloch sehen konnte, nur ein Nataspriester in der Kammer aber dieser hatte anscheinend schon etwas vom Überfallskommando vor seiner Tür bemerkt, er zauberte bereits irgendetwas. Der Zwerg stieß die Tür auf und Anaids Pfeil prallte einen Augenblick später, ohne viel Schaden anzurichten vom magischen Schild des Nataspriesters ab. Haro drängte sich sofort in den Raum und lief auf den Priester zu. Aber noch bevor er ihn erreichen konnte wurde Haro von einem Zauberspruch des Priesters getroffen. Kardoc erkannte am eigenartig starren Blick Haros, daß er nicht mehr Herr seiner Sinne war. Er machte lieber einen größeren Bogen um Haro der sich bereits mit eckigen Bewegungen in die entgegengesetzte Richtung schritt. Über Kardocs Kopf rauschte ein Feuerball aus Eduardos Hand und verwandelte die magische Barriere des Nataspriesters in eine Flamenwand. Der Priester versuchte nun auch Davidudl zu übernehmen, der neben Eduardo stand, um den lästigen Magier schnell zu beseitigen. Es mißlang, Davidudl wehrte sich erfolgreich gegen das bohrende Gefühl in seinem Kopf. Er konzentrierte sich auf das immer lauter werdende Getrampel schwerer Stiefel. Am Ende des Gangs tauchten zwei Nataskrieger und ein paar Orks auf. Davidudl konnte den breiten Gang alleine unmöglich halten und rief nach Kardoc der sich dem, meist flammenumhüllten, Nataspriester näherte. Haro stapfte scheinbar ziellos durch die Kammer und wehrte sich verbissen gegen die Fesseln die seinen Geist umschlungen hatten, langsam gewann er wieder die Oberhand über seine Gliedmaßen. Davidudl wehrte bereits den ersten Nataskrieger ab als Kardoc die Lücke im Gang schloß. Anaid und Eduardo waren vorerst sicher und konnten sich auf den Nataspriester konzentrieren. Anaids Pfeile zeigte langsam immer mehr Wirkung, der magische Schild wurde schwächer. Eduardos Feuerbälle hatten den Priester bereits an die Wand gedrängt und bereiteten im sichtlichen Schaden. Haro befreite sich nun endgültig und wollte auf den verhaßten Feind losgehen, doch er kam zu spät, der magische Schild brach völlig zusammen und Anaids Pfeil traf genau sein Ziel. Der Nataspriester brach röchelnd, den Pfeil in seiner Brust umklammert zu Boden. Draußen wehrten Davidudl und Kardoc noch immer verbissen die Angreifer ab. Eduardo wartete noch einen kurzen Moment, um sicher zu gehen, daß der Priester wirklich tot war und wendete sich dann zu den tobenden Orks die hinter den bereits schwer gezeichneten Nataskriegern standen und kaum in das Gemetzel eingreifen konnten. Er versuchte einen der neuen Sprüche die ihm die Gilde geschenkt hatte. Ein Feuerspruch der auf ein festes Ziel gelenkt, im Umkreis von etwa fünf mal fünf Schritten ein Flammenmeer hervorruft, - falls er gelingt. Eduardo hatte die Silben während des Weges immer wieder im Gedächtnis wiederholt. Nachdem er die letzte Silbe gesprochen hatte überraschte die verheerende Wirkung selbst ihn. Er hatte den Spruch auf einen der hinteren Angreifer gerichtet um Davidudl und Kardoc nicht zu gefährden. Der ganze Gang loderte plötzlich bis zur Decke auf und die Hitzewelle traf Eduardo als ob er direkt vor einem Schmiedefeuer stehen würde. Die Flammen vergingen genau so rasch wie sie gekommen waren und im selben Moment brüllten die Orks vor Wut und Schmerzen auf. Die beiden Nataskrieger waren ebenfalls von den magischen Flammen durchdrungen worden und zerbrachen nach ein paar schweren Treffern in ihre eisernen Bestandteile. Davidudl und Kardoc blickten mit hochroten, erhitzten Gesichter verwundert auf Eduardo und stürzten sich dann auf die vom Feuer gezeichneten Orks. Als Haro, noch immer etwas benommen, durch den Türrahmen trat töteten sie bereits den letzten Ork ehe dieser flüchten konnte. Mit einem Mal wurde es wieder still im Gang, nur verhaltenes Keuchen war zu hören. Rasch untersuchten sie die übrigen Kammern entlang des Gangs, sie waren aber alle leer. An den beiden Zugängen ließ sich vorerst niemand blicken. Weder von der Schmiede noch von der anderen Seite des Ganges kamen weitere Angreifer. Kardoc ging in beide Richtungen ein Stück um sich zu vergewissern, daß ihnen nicht doch jemand in einem Hinterhalt auflauerte. Auf der Treppe zur Schmiede war alles ruhig. Auf der anderen Seite, nach einem Linksknick, endete der Gang an einer offenstehenden Tür. Dahinter lag ein größerer Raum in dem, nach den zertrümmerten Möbeln zu schließen, die Orks gehaust hatten. Während Kardoc wieder zurückging und die Tür sicherheitshalber verschloß, verband sich Davidudl mit Anaids Hilfe seine Rechte Hand. Er hatte einen tiefen Schnitt über den Handballen davongetragen. In der Hitze des Gefechts hatte er die Verletzung gar nicht bemerkt aber nun brannte die Wunde fürchterlich. Anaids Heilspruch hatte den Blutverlust zwar größtenteils gestoppt und die klaffende Wunde fast vollständig geschlossen aber eine Narbe würde seine Hand von nun an trotz der magischen Heilung zieren. Anaid selbst litt ebenfalls unter dem pochenden Schmerz in ihrer verletzten Hand die sie beim Bogenschießen alles andere als geschont hatte. Haro fühlte sich wieder völlig normal, das Schwindelgefühl war verschwunden und er erkundigte sich besorgt nach Verletzungen seiner Kampfgefährten. Davidudl verbiß sich seinen Schmerz, der durch Anaids Zauberspruch ohnehin schon nachließ, und murmelte nur irgend etwas von kleinen Kratzern ohne die ein Gemetzel keinen Spaß machte. Den Rest seiner Gedanken über den, seiner Ansicht nach weniger kräftigen sondern eher etwas dicklichen und vielleicht um eine Winzigkeit größeren Krieger, der während des Kampfes eigentlich nur herumgestanden hatte behielt er lieber für sich. Eduardo holte aus den Taschen den Priesters etwas eigenartiges zum Vorschein. Auf den ersten Blick sah es wie ein Kartenspiel aus, aber die Figuren und Symbole darauf waren dem Magier völlig unbekannt. Er steckte die kleine Holzkassette mit den Karten vorerst in seine Tasche, im Moment war keine Zeit um ein Kartenspiel zu erlernen. Davidudl war ebenfalls in die Kammer gekommen und entdeckte eine kleine schwarze, häßliche Statue auf dem Tisch. Sie sah fast so aus wie jene im Zwergengebirge, bei ihrer Suche nach dem verschwundenen Hammer. Er fühlte ganz deutlich ihre bösartige Ausstrahlung und es hätte ihn viel Überwindung gekostet sie anzufassen. Irgendetwas unheimliches ging von ihr aus, er wurde das Gefühl nicht los, daß ihn die winzigen toten Augen ständig beobachteten. Die Statue mußte in jedem Fall vernichtet werden, aber statt mit roher Gewalt ans Werk zu gehen machte Davidudl dieses Mal etwas anderes. Er holte eine Phiole geweihtes Wasser aus Brilante aus seinem Ranzen und träufelte die klare Flüssigkeit über den dunklen, glenzlosen Stein. Nach den ersten Tropfen explodierte die Statue förmlich und löste sich vollständig auf. Die rauchenden Trümmer flogen durch den ganzen Raum und verdampften bis auf wenige Reste. Davidudl steckte das leere Glasröhrchen zufrieden wieder ein. Von diesem geweihten Wasser mußte er sich bei Gelegenheit noch ein paar Phiolen besorgen. Haro nahm eine Fackel aus der Halterung an der Wand und drängte zum Weitergehen, hier am Gang konnten sie viel zu leicht entdeckt werden. In einem kleinen, inzwischen längst geplünderten Vorratskammer, am Ende des Gangs, öffnete er eine Geheimtür hinter der ein Geheimgang bis in Innere der Burgmauer führte. Kurz nach der Tür führte eine steinerne Treppe in die Tiefe. Die Fackel flackerte unstet und drohte in der abgestandenen, modrigen Luft ein paar mal fast zu verlöschen. Am Ende der Treppe angelangt wurde das weitere Vorgehen beraten. Der Geheimgang verlief tief unter der Erde rund um die Burgmauer und führte zu verschiedenen Gebäuden oder anderen Geheimgängen. Von hier aus konnten sie so ziemlich jedes Gebäude in Knantum erreichen. Nun war die Frage wo sich die beiden anderen Nataspriester verkrochen hatten. Haro meinte es kämen dafür mehrere Gebäude in Betracht. Nachdem vorerst unklar war wohin sie sich wenden sollten wurde beschlossen die letzte Wache auf dem äußeren Turm zu erledigen. Der Nataskrieger konnte ja auf den Gedanken kommen nach dem Verbleib der anderen Turmwächter zu forschen. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten sie den Ausstieg zum Wachturm. Die unterste Turmkammer war leer und sie stiegen leise die Holztreppe hinauf. Haro, Davidudl und Kardoc stürzten in dieser Reihenfolge aus der Bodenluke auf den ahnungslosen Nataskrieger und zerlegten ihn in mit ein paar kräftigen Schlägen in seine Bestandteile. Nachdem das blecherne Geschepper verklungen war beobachteten sie, zwischen den Mauerzinnen versteckt, die Burg. Die Wachtürme waren allesamt leer, die Feuer brannten noch immer und das Grölen der Orks war zwar etwas leiser geworden aber das Fest schien noch lange nicht vorbei zu sein. Durch das zerstörte Innentor konnte man auch den Steingolem sehen der unverändert an der Mauer lehnte. Allem Anschein nach hatten sich die nächtlichen Vorgänge in Knantum noch nicht weit herumgesprochen. Haro zeigte auf ein hohes Gebäude, fast am anderen Ende der Burgmauer, in der Nähe des Bergfrieds. Dort meinte er könnten die Nataspriester stecken, die Fenster des Gebäudes waren nicht zerstört und teilweise beleuchtet. Der Burgherr von Knantum führte sie zielstrebig durch die Geheimgänge der Burg, aber an ein paar Stellen mußte selbst er kurz überlegen welche Abzweigung die richtige war. Schließlich, als sich die Gefährten schon längst nicht mehr auskannten wo sie eigentlich waren, zeigte Haro auf eine steinerne Tür durch die man in das Erdgeschoß des Gebäudes, in dem er die Priester vermutete, gelangte. Er stemmte sich auf der rechten Seite gegen die Steinplatte, sein Kettenhemd spannte sich dabei bedenklich um seine muskulösen Oberarme und wenn nicht jedes der Kettenglieder an beiden Enden sorgfältig zusammengeschmiedet gewesen wäre, hätte er die eisernen Ringe sicherlich aufgebogen. So aber drückten sich nur das lederne Untergewand durch die Ringe. Davidudl wendete seinen Blick von diesem wirklich angeberischen Schauspiel ab. Nach einigen Versuchen gab die Wand mit einem Ruck nach, die Tür schwenkte knirschend auf die Seite. Dahinter lag eine finstere Halle. Vielleicht waren sie doch im falschen Gebäude, vermutete Kardoc aber Haro versicherte ihnen, daß es das richtige Haus war, es gab noch zwei Stockwerke über ihnen und dort hatte Licht gebrannt. Als sie in die Halle traten und gleich daneben eine breite Treppe nach oben stiegen, waren sich die Gefährten sicher im richtigen Haus zu sein. Mit jeder Stufe spürten sie das bekannte, bedrückende Gefühl, daß sich meistens einstellte wenn sie sich einem Nataspriester näherten. Das nächste Stockwerk war ebenfalls leer aber unbeschädigt, die Orks hatten hier anscheinend keinen Zutritt. Es war nun völlig sicher, daß die Nataspriester irgendwo hier oben waren. Die magisch begabten nahmen sicherheitshalber einen Manatrank ein, der Kampf mit dem ersten Nataspriester hatte doch einige Kraft gekostet. Die ganze Truppe wurde mit magischen Schildern und Gewandtheitszaubern belegt, die verbliebenen Phiolen wurden griffbereit in den Gürtel gesteckt. So gerüstet stiegen sie ins nächste Stockwerk. Nach einem kurzen holzgetäfelten Gang standen sie vor einer großen Tür. Haro flüsterte den anderen zu, daß dies der große Rittersaal von Knantum sei. Es stellte sich die Frage wie man einen Überraschungsangriff anstellen sollte. Aber während die Gefährten und Haro mit leichtem Druck in der Magengegend überlegten wie sie vorgehen sollten schwoll im Rittersaal ein unmelodischer Gesang an der sich binnen weniger Momente zu einem hysterischen Gekreische steigerte um dann abrupt verstummte. Gebannt starrten sie auf das Tor. Das hörte sich überhaupt nicht gut an, es hörte sich eher an als ob sie da drinnen bereits erwartet wurden. Ehe sie irgendetwas unternehmen konnten sprang das Tor mit einem dumpfen, krachendem Geräusch auf und donnerte an die Seitenwände. Drinnen war alles hell erleuchtet, zwei Nataspriester in dunkelroten Kutten standen mit erhobenen Händen hinter Tischen die sie zu Altären umfunktioniert hatten. Neben den Tischen standen je zwei Nataskrieger. Einer der der Priester senkte seine Arme und sagte mit eisiger Stimme: "Willkommen zu eurem Totenfest!" Kaum waren seine Worte im großen steinernen Saal verklungen, schickte Eduardo eine Feuersbrunst über ihn. Das Feuer schadete aber nur den Nataskriegern neben ihm merklich, der Priester hatte ein mächtiges Schutzschild um sich gelegt. Der zweite Nataspriester versuchte inzwischen in Davidudls Gehirn einzudringen um ihn zu übernehmen und anschließend auf seine Gefährten zu hetzen. Der erste Versuch schlug fehl und Davidudl näherte sich gemeinsam mit Haro und Kardoc rasch den Gegnern am anderen Ende des Saals. Anaid schickte ein paar magische Blitze auf die Nataskrieger, während Eduardo ohne ein einziges Mal zu versagen mit seine Feuerbälle und Eiskugeln auf das magische Schild eines Nataspriester losging. Kardoc zauberte, während er vorwärts ging, einen schwierigen Zauberspruch der einen Gegner alterte. Ein magisches Schild nützte, ähnlich wie beim Hypnosezauber der Nataspriester, dagegen nichts. Der Spruch kostete sehr viel Zauberkraft, aber er mußte dem Zwerg nur ein einziges Mal gelingen, dann war der Gegner so stark geschwächt, als ob er plötzlich in einen Greis verwandelt worden wäre. Kardoc verpatzte den Spruch zweimal und fühlte wie seine Zauberkräfte rapide schwanden. Inzwischen wurde Haro vom Hypnosezauber erwischt. Er wendete sich plötzlich seitwärts und wankte mit erhobenen Schwert auf Davidudl zu. Die vier Nataskrieger setzten sich nun ebenfalls in Bewegung und stampften vorwärts. Die Nataspriester wähnten sich sehr sicher und begannen erst jetzt mit Feuerbällen auf die Eindringlinge loszugehen. Haro Zweischlag blieb vorerst verschont, er kämpfte momentan wider Willen auf ihrer Seite. Die magischen Schilder der Gefährten hielten die magischen Flammen vorerst ab, aber es sah so aus als ob die Nataspriester jetzt eindeutig die Oberhand gewinnen würden, denn Kardoc wurde auch vom Hypnosezauber getroffen. Er machte plötzlich kehrt und ging mit erhobener Waffe zu Anaid und Eduardo zurück. Davidudl hatte genug damit zu tun den unbeholfenen aber wuchtigen Schlägen Haros auszuweichen während er einen Nataskrieger bekämpfte. Anaids Zauberkraft war bereits stark erschöpft und ihre Pfeile richteten kaum Schaden an. Sie sparte sich ihre Zauberkräfte vorerst etwas auf, um im Notfall noch ein oder zwei Heilungssprüche zustande zu bringen. Eduardo war voll in seinem Element, er brillierte geradezu, seine Eiskugeln und Feuerbälle richteten verheerenden Schaden am Schild des Nataspriesters an und die Wucht der Einschläge ließen den Rotgekleideten taumeln. Rund um Eduardo und den Nataspriester dampfte krachte und brannte es, Feuerbälle mischten sich mit Eiskugeln, Blitze zuckten zwischendurch mit weiten Verästelungen durch den Raum, kleine Flammen züngelten auf dem Holzboden um gleich darauf von Splittern zerschellter Eiskugeln gelöscht zu werden. Die beiden Zauberkünstler lieferten sich ein erbittertes Gefecht, keiner gönnte dem anderen eine Verschnaufpause. Kardoc kam allerdings schon gefährlich nahe an Eduardo heran und hielt Knochenschinder hoch erhoben. Eduardo konnte jetzt aber unmöglich nachlassen, er war momentan der Einzige der die Priester wirkungsvoll Angreifen konnte. Er ging vom Tor weg, weiter in den Saal hinein und wich vor dem Zwerg zurück. Haro kämpfte verzweifelt gegen die geistige Umklammerung an und war inzwischen soweit, daß er wenigstens nicht mehr auf Davidudl einschlug sondern mit seinem Schwert planlos in der Luft herumfuchtelte. Der Zauber ließ eindeutig nach, aber zu langsam, viel zu langsam. Die Nataskrieger hatten Davidudl umringt und brachten ihn in gefährliche Bedrängnis, seine verletzte Hand macht ihm schwer zu schaffen. Glücklicherweise hielt das magisches Schild den größten Schaden aber noch in Grenzen. Ein Nataspriester versuchte nun auch Davidudl zu übernehmen und es gelang auch, aber nur für einen kurzen Augenblick. Davidudl stand einen Moment wie gelähmt da und wurde zweimal von den Nataskriegern, ohne sich verteidigen zu können, getroffen. Sein schwächer werdendes Schild dämpfte die Schwerthiebe noch soweit, daß er keine ernsthaften Verletzungen davontrug. Der Nataspriester hatte sich aber anscheinend etwas Übernommen. Drei Personen zu beherrschen war eine schwierige Aufgabe. Kardoc löste sich aus dem Bann des Priesters und zauberte sofort. Der Spruch gelang ihm diesmal. Der Priester auf der rechten Seite wurde plötzlich leichenblaß und taumelte vorwärts um sich am Tisch abzustützen, Davidudl und Haro waren ebenfalls wieder ihre eigenen Herrn und zögerten keinen Moment. Haro lief sofort zu dem angeschlagenen Priester. Eduardo zerstörte das magische Schild des gealterten Priesters mit einem mächtigen Feuerball. Gleich danach bohrte sich ein Pfeil in seinen Bauch und bevor er überhaupt daran denken konnte einen neuen Schild zu zaubern hatte ihn schon Haros Schwert durchbohrt. Der Nataspriester klappte kraftlos zusammen. Kardoc und Eduardo versuchten das Schild des zweiten Priesters mit magischen Blitzen, Eiskugeln und Feuerbällen zu vernichten. Die magischen Schilder der Gefährten wurden inzwischen auch immer schwächer und Eduardo wurde am Arm von einem Blitz des Nataspriesters verletzt, er verzichtete aber darauf sein Schild zu erneuern, denn Kardoc, noch immer magisch beschleunigt, rannte, für einen Zwerg unglaublich schnell, bereits dem zurückweichenden Priester nach. Zum zaubern hatte Kardoc kaum noch Kraft, statt dessen schwang er die Axt drohend hin und her. Anaid zielte über Kardocs Kopf, traf den Priester am Bein und vereitelte damit einen gefährlichen Feuerball der für Eduardo bestimmt war. Davidudl war noch immer von den Nataskriegern umringt. Endlich fand er eine Schwachstelle an der Rüstung eines Nataskrieger und schlug ihm den Helm vom Kopf. Er konnte durch eine Lücke entkommen und mit freiem Rücken weiterkämpfen. Haro kam ihm Zuhilfe und Davidudl verstand plötzlich warum Haro Zweischlag diesen Namen trug. Der Burgherr schlug blitzschnell zwei nebeneinander stehende Nataskrieger, er nutzte dabei die Wucht des Rückschlages seines ersten Treffers um gleich den nebenstehenden Krieger sein Schwert auf die Rüstung zu donnern. Nach ein paar weiteren schweren Schlägen von Davidudl und Haro lösten sich zwei Nataskrieger in Rauch auf. Den Letzten benutzen sie als Objekt für eine Art Wettstreit, jeder wollte derjenige sein der ihn niederstreckte. Der Nataskrieger taumelte von brachialen Schlägen getrieben, mit seinem zerbrochenen Schwert rückwärts. Es war nicht genau festzustellen wer ihn schlußendlich erledigte, die zerbeulte Rüstung löste sich in ihre Bestandteile auf als sie ungefähr gleichzeitig zuschlugen. Kardocs Axt sauste auf den Unterleib des Nataspriestern und wurde nur noch schwach vom magischen Schild gedämpft. Die Schneide drang zwar noch nicht durch die blutrote Robe, aber es war wie ein Keulenschlag in den Magen. Eduardo, nun auch fast am Ende seiner Kräfte, zauberte eine Eiskugel die am Kopf des Priesters zerplatzte und sein Gesicht schwer verstümmelte. Der nächste Axthieb von Knochenschinder zertrümmerte seinen Brustkorb, er stürzte wie vom Blitz gefällt zu Boden. Anaid behielt den Aufgang im Auge, das Gemetzel war sehr laut gewesen und hatte vielleicht ein paar Orks angelockt, im Moment ließ sich jedoch niemand blicken. Eduardo kam ebenfalls zum Tor und vertraute seinen geschwärzten Arm Anaids Heilkräften an. Für die Heilung der schweren Verletzung ging ihre gesamte verbliebene Zauberkraft auf, sie konnte aber nur das schlimmste verhindern, den Arm würde Eduardo auf jeden Fall nicht verlieren, ein Brandmal würde allerdings sicher zurückbleiben. Der Rittersaal hatte nur einen Eingang. Falls der Kampf noch nicht ausgestanden war konnte ein neuerlicher Angriff nur beim Tor stattfinden. Davidudl und Kardoc erreichten ziemlich abgekämpft das Tor. Davidudls Handverletzung machte sich schmerzhaft bemerkbar und Kardoc hatte noch unter den Nachwirkungen des Hypnosespruchs zu leiden, mit seinen Zauberkräften war er längst am Ende. Er holte seinen letzten, kostbaren Manatrank aus seinem Ranzen. Trinken wollte er ihn allerdings nur im äußerste Notfall, wenn vielleicht plötzlich noch ein Nataspriester auftauchte, und hielt die Phiole griffbereit am Gürtel fest. Eduardo hatte ebenfalls eine Phiole Manatrank in seiner gesunden Hand. Haro war noch am besten davongekommen, obwohl auch er schwer atmete. Er war vom Ausgang des Kampfes sichtlich erfreut, seine Burg befand sich fast wieder in seiner Hand. Als Haro zum Sprechen ansetzte war ein Rumpeln zu hören und im Boden zu spüren. Es war als ob eine Menge Steine durch die Gegend polterten, so als ob in der Nähe ein Gebäude zusammenbräche. Die hölzernen Bodenbretter vibrierten noch ein wenig, dann herrschte Stille. Der Steingolem! Haro stürzte zu einem Fenster des Rittersaals von dem man in den Haupthof sehen konnte. Wo vorhin der Golem gesessen hatte lag ein Schutthaufen. Der magische Golem war ohne die Nataspriester tatsächlich nicht mehr Lebensfähig. Dafür gerieten die restlichen Nataskrieger und die mehr oder weniger betrunkenen Orks in Bewegung. Aus den Fenstern und Schießscharten des Bergfrieds beugten sich mehrere Gestalten um zu sehen was im Burghof vor sich ging. Haro beugte sich weit aus dem Fenster und rief so laut er konnte zu seinen Kriegern hinüber: "Auf sie! Die im Hof sind alle, die Nataspriester sind tot!" Wenige Augenblicke später öffnete sich am Bergfried das kleine Eingangstor in etwa zehn Schritt Höhe und eine schmale Brücke wurde zum hölzernen Abgang gelegt. Nacheinander liefen an die fünfzig Krieger und Ritter heraus um die Belagerung zu beenden. Haro hastete ebenfalls, von den Gefährten gefolgt, die Treppe hinab um seinen Leuten beizustehen. Haro stürzte sich mit voller Wucht auf die zwölf Nataskrieger. Anaid vergaß ein letztes Mal ihre schmerzende Hand und nahm sich die ziellos herumlaufenden Orks vor. Kardoc beteiligte sich mit Knochenschinder an der Schlacht und zeigte recht eindrucksvoll was ein Zwerg und seine Axt mit diversen Rüstungen anrichten konnten. Eduardo hielt sich etwas abseits und betrachtete den Tumult, er brauchte in diesen Kampf nicht einzugreifen, sein Manatrank war ihm zu wertvoll um sich an einem Gemetzel zu beteiligen dessen Ausgang vorherzusehen war. Außerdem griff die Magiergilde jetzt auch noch ins Geschehen ein und zauberte, von geschützten Stellen aus, Eis und Feuer über Nataskrieger und Orks. Davidudl, sonst überaus angetan von solch fröhlichem Schlachten, wo man so richtig zulangen konnte, fand diesmal keinen rechten Gefallen daran. Der Burgherr, Haro Zweischlag, spielte sich irgendwie zu sehr in den Vordergrund. Ständig, und viel schneller als Davidudl es je gekonnt hätte, krachte Haros Schwert auf die Rüstungen der Nataskrieger. Es war einfach ungerecht. Er, Davidudl, mußte mit einer verletzten Hand kämpfen und der andere Kerl war größer, stärker, hatte ein längeres und breiteres Schwert und überhaupt... Davidudl schlug lustlos auf vereinzelte Orks ein und hielt sich möglichst fern von Haro Zweischlag, um nicht mitansehen zu müssen wie dieser die Nataskrieger zerlegte. Der Widerstand der Belagerer brach rasch zusammen. Als die Nataskrieger besiegt waren versuchten die restlichen Orks zu flüchten, was aber von Haros Kriegern erfolgreich verhindert wurde. Nachdem die Gebäude der Burg durchkämmt waren, stand Haro am Burghof und verkündete lautstark, unter dem Jubelrufen seiner Leute, daß Knantum endgültig befreit sei. Auch die Befreier aus Drachenhort, ohne deren Mut und Tapferkeit dies alles niemals gelungen wäre, ließ er hoch leben. Besonders hob er dabei den unvergleichlichen Mut, die Stärke und Tapferkeit seines Nachbarn, Graf Davidudl von Drachenhort hervor, dem das Ganze furchtbar unangenehm war. Haro war aufgefallen, daß Davidudl ihn aus irgend einem Grund nicht besonders leiden konnte. Er hatte aber keinen Schimmer wodurch er ihn beleidigt haben konnte und so versuchte er auf diese Weise einen, vielleicht unbewußt, gemachten Fehler wieder gut zu machen, denn ihm war sehr daran gelegen mit dem Burgherrn von Drachenhort von Anfang an ein gutes Verhältnis zu haben. Auf den Burgzinnen leuchtete das erste schwache Sonnenlicht, die Feuer im Burghof waren gelöscht worden, nur hier und da rauchten noch ein paar Trümmer. Die Bewohner von Knantum waren glücklich und erleichtert die Belagerung überstanden zu haben, aber zum Feiern war niemanden zumute. Fast jeder hatte während der letzten Tage Verwandte oder Freunde verloren. Von den ursprünglichen Einwohnern der Burg lebte nur noch etwa noch die Hälfte. Ein umgestürzter Karren wurde wieder aufgestellt und die Gefallenen daraufgelegt um sie vor der Burgmauer würdig zu begraben. Für die Orks wurde ein Scheiterhaufen errichtet, sie sollten so schnell wie möglich verbrannt werden. Haro hätte niemals zugelassen, daß man sie in seinem Grund und Boden verscharrte und ihre Gebeine die Erde verseuchten. Eduardo saß im großen Rittersaal, wo heute Nacht der Kampf getobt hatte und schickte Skiria, den Skelettvogel, mit einer Botschaft nach Drachenhort. Irgendwer sollte sie, möglichst noch heute, mit den Flugdrachen abholen. Haro, die Meister der Magiergilde und ein paar seiner engsten Berater saßen ebenfalls im Rittersaal und organisierten alles Nötige um Knantum so rasch als möglich wieder Wehrhaft zu machen. In diesen unsicheren Zeiten wollte Haro nicht mit einer eingestürzten Außenmauer leben. Nachdem der zerbrechliche Geistervogel durch das Fenster davongeflattert war holte Eduardo seine Beute aus der Tasche. Das eigenartige Kartenspiel des Nataspriesters lag in einer flachen, geschnitzten Holzkassette. Es enthielt genau zwanzig Blatt. Die Zeichnungen wirkten fremdartig, teilweise sogar etwas abartig, merkwürdige Symbole zierten die Ränder. Auf manchen Karten waren aber auch bekannte Symbole zu finden, Gildenzeichen für Krieger, Magier und noch einige andere. Einige Karten waren unglaublich realistisch gezeichnet. Man konnte fast meinen die ekelhafte Kreaturen darauf würden jeden Moment aus dem Blatt springen um Tod und Verderben zu bringen. Eine Karte war, abgesehen von dicht gezeichneten Runen an den Rändern, in schlichtem Rot gehalten, ein sattes, dunkles Rot wie frisches Blut. Eduardo blätterte die Karten ratlos durch, er konnte keinen Sinn in den Symbolen und Zeichnungen erkennen. Auch die Magier der Gilde wurden aus dem Spiel nicht schlau, die Runen konnte niemand entziffern. Eduardos Gefährten meinten er sollte das Spiel lieber in die Kassette geben, wenn ein Nataspriester etwas damit zu tun hatte konnte das nichts Gutes bedeuten. Irgend etwas Böses steckte sicher wieder dahinter. Die Karten sollte man am besten gleich mit der Kassette verbrennen. Eduardo erinnerte sich plötzlich doch an ein ähnliches Kartenspiel, daß er irgendwo auf seinen Reisen gesehen hatte. Die Zeichnungen waren zwar völlig anders aber es handelte sich eigentlich um kein Spiel sondern einen Stoß Karten mit dem man angeblich die Zukunft vorhersagen konnte. Vielleicht öffneten ihm diese Karten einen Blick auf sein zukünftiges Schicksal, einen Versuch schien es ihm jedenfalls wert. Als er die Karten mischte und verkündete was er vor hatte wurde es ziemlich laut im Rittersaal. Seine Gefährten wollten ihm sogar die Karten wegnehmen, auch die Magier meinten, daß es vielleicht nicht ganz ungefährlich sein konnte dieses fremdartige Kartenspiel irgendwie anzuwenden und damit vielleicht das Schicksal herauszufordern. Eduardo war aber bereits fest entschlossen, er wollte die Gelegenheit auf keinen Fall ungenutzt lassen vielleicht auf diese Weise etwas über sein Schicksal zu erfahren. Er war immerhin Wächter des Turms, aber im großen und ganzen ziemlich ahnungslos was er als solcher eigentlich zu tun hatte. Als er den Stapel vor sich legte, wagte niemand der anderen mehr die Karten zu berühren, eine sonderbare Aura lag plötzlich über dem Raum, alle Geräusche verstummten, der Boden knarrte nicht mehr unter den Füßen. Eduardo hatte anscheinend irgend etwas in die Wege geleitet das sich nicht mehr rückgängig machen ließ. Er saß allein am Tisch, alle Anderen waren ein Stück zurückgewichen. Eine unheimliche Stille lastete auf dem Raum, Eduardos Hand näherte sich zögernd dem obersten Blatt am Stapel. Kardoc wurde es flau im Magen: "Das geht nicht gut aus!" Eduardo war auch nicht besser zumute. Er wußte auf einmal, daß dies nicht ein einfaches Kartenspiel war, irgendetwas würde passieren wenn er die Karte aufdeckte. Sein Leben würde sich verändern, ob zum Guten oder Schlechten konnte er aber nicht erahnen, die Karten lösten sehr gemischte Gefühle in ihm aus. Seine Finger nahmen das Blatt. Er zögerte noch, wußte aber, daß er die Karte unmöglich zurücklegen und das Spiel wieder in die Kassette geben konnte, er war sich sicher, daß dann etwas Fürchterliches passieren würde. Er hatte das Schicksal herausgefordert und nun gab es kein Zurück mehr. Eduardos Hand war schweißnaß als er die Karte abhob und vor sich auf den Tisch legte. Seine Gefährten blickten gebannt und besorgt auf ihn. Er starrte ohne zu verstehen die rote Farbe auf der Karte an, die Runen verschwammen ihm vor den Augen sein Blick wurde unscharf. Irgend etwas passierte mit ihm, er fühlte sich schwindlig. Er stürzte. Er fiel immer tiefer, der Fußboden bremste seinen Fall nicht, Eduardo stürzte in ein bodenloses Nichts. Seine Gefährten rannten zum Tisch und stützten den taumelnden Magier. Kardoc schaute was Eduardo aufgedeckt hatte. Die rote Farbe auf der Karte schlug noch ein paar Blasen, als ob sie kochen würde, wenige Augenblicke später sah sie aber wieder ganz normal und glatt aus. Eduardo stammelte wirre Silben, er blickte sich erstaunt um. Sein Blick wurde wieder klarer, sein Geist hellte sich langsam wieder auf er wußte mit einem mal was falsch und was richtig war. Er wußte jetzt was diese Horde, die ihn so blödsinnig anglotzte, angestellt hatte und er wußte, daß sie dafür büßen mußten. Sein Geist war von einem einzigen Namen überschattet dem er von nun an sein Leben widmen, und mit Freuden hingeben wollte. Natas! Davidudl und Haro hielten Eduardo an den Armen fest, seine Knie gaben immer wieder nach, er zischelte dauernd irgend etwas und schaute plötzlich alle haßerfüllt an. Anaid verstand als erste was er dauernd wiederholte. Natas, Natas, Natas,.. Es herrschte heillose Verwirrung. Das war nicht mehr Eduardo der hier sprach. Wie sollte man ihm helfen? Eduardo als Nataspriester war ein unfassbarer Gedanke, so etwas konnte einfach nicht möglich sein. Der Wächter des Turms in der Hand des Feindes! Davidudl und Haro mußten fester zupacken, er wehrte sich immer heftiger gegen den Griff der beiden, sprach Drohungen und Verwünschungen aus. Eduardo war Magier und er war eindeutig nicht mehr er selbst. Diese gefährliche Situation wurde den Gildenmeistern als erste bewußt und sie brachten rasch eine starke Kordel um Eduardo zu fesseln und einen Knebel für seinen gefährlichen Mund. Die Gefährten hatten nicht die geringste Ahnung was sie jetzt tun sollten. Sie hatten alles erwartet, Monster die aus dem Nichts erscheinen, Feuerregen von der Decke, Blitze, Erdbeben. Aber das hier war unbegreiflich, eben hatte er noch an ihrer Seite gegen die Mächte des Bösen gekämpft, und nun war er selbst eine Besessener. Kardoc faßte den einzig vernünftigen Gedanken. Moram mußte sofort verständigt werden, oder noch besser Eduardo mußte gleich zu Moram gebracht werden, vielleicht konnte er ihn irgendwie von seiner Besessenheit befreien. Bis zur Ankunft der Flugdrachen bewachten alle Drei den Magier. Ibraha landete gegen Mittag mit den Flugdrachen vor der Burg und war entsetzt als sie Eduardo sah und erfuhr was passiert war. Es wurde beschlossen Eduardo so rasch als möglich nach Brilante zu Meister Moram zu bringen, er war die einzige Hoffnung die sie für ihren Freund noch hatten. Eduardo wurde fest verschnürt auf seinen Flugdrachen gebunden, seine Ratte Equinus nahm Ibraha mit. Das Tier war verängstigt und wurde völlig panisch sobald es in die Nähe des Magiers gebracht wurde, Skiria hielt sich ebenfalls fern und flatterte in gebührender Entfernung um den Flugdrachen auf dem sich Eduardo gegen die Stricke aufbäumte. Der Abschied von Haro Zweischlag fiel wegen das Zwischenfalls etwas übereilt aus. Haro bedauerte diesen Vorfall zutiefst, nun hatte die verfluchte Sekte doch noch ein Opfer gefunden. Der kurze Flug zur Burg Drachenhort verlief ohne Zwischenfälle und Eduardo landete wohlbehalten vor den Burgmauern. König Marco und Prinz Andrus waren gerade im Aufbruch begriffen. Nachdem sie von Eduardos Schicksal erfahren hatten ließen sie sofort einen Planwagen räumen um Eduardo darin sicher nach Brilante zu bringen. Andrus übernahm mit ein paar anderen Soldaten die Bewachung Eduardos, er wollte nicht mehr von seiner Seite weichen bis ihm Moram hoffentlich helfen konnte. Anaid war in den letzten Stunden still und etwas blaß geworden. Ihre Handverletzung brannte fürchterlich, zeitweise überfiel sie Schüttelfrost und sie fieberte. Die Wunde mußte unbedingt behandelt werden und sie brauchte vor allem einige Tage absolute Ruhe. Sie ließ sich von Davidudl überreden auch im Planwagen mitzufahren, ihr Gatte fand es am sichersten wenn sie bei Andrus und seinen Rittern blieb. In Drachenhort wollte er sie lieber nicht alleine zurücklassen, denn niemand konnte wissen was den Orks in ihrem Größenwahn noch alles einfiel. In Brilante war sie auf jeden Fall sicherer aufgehoben. Davidudl, Ibraha und die Zwerge wollten so rasch als möglich zurück nach Icelot um den Runenstein weiterzusuchen. Diese Überfälle auf Festungen mitten im Herzen Mystias zeigten mehr als deutlich, daß die Zeit drängte. Das Böse wurde mit jedem verlorenen Tag mächtiger. Am Nachmittag setzten sich die Wagen, von Reitern gefolgt, in Bewegung. Davidudl und Anaid nahmen schweren Herzens voneinander Abschied, es war das erste Mal, seit sie sich kannten, daß sie längere Zeit getrennt waren. Die Flugdrachen von Andrus, Anaid und Eduardo folgten dem Zug ebenfalls, die meiste Zeit kreisten sie in geringer Höhe über die Wagen. Der Weg nach Brilante war gut ausgebaut und jeder Wagen wurde von vier kräftigen Rössern gezogen. Wenn nichts Unvorhergesehenes geschah konnten sie in gut einer Woche im Schloß des Königs sein. Als die Wagen außer Sicht waren, bereiteten die zurückgebliebenen Gefährten alles für den morgigen Tag vor um in aller Frühe nach Icelot aufbrechen zu können. Sie gingen zeitig zur Ruhe. Knepp und Knapp schliefen rasch ein. Ibraha studierte noch eine Weile die neuen Zaubersprüche in Eduardos Buch. Davidudl wälzte sich unruhig umher und griff einige male ins Leere neben sich. Und Kardocs Gedanken kreisten immer wieder um das fürchterlichen Ereignis im Rittersaal von Knantum bis er endlich einschlief. © Andreas Bartl |