KAPITEL 6

Whuosa

 

Am nächsten Tag erreichten sie Brilante. Als sie dort ankamen herrschte hektisches Treiben rund um das Schloß. Ein Heerlager wurde gerade aufgebaut. In den Straßen innerhalb der Schlossmauern war das Gewühl noch dichter als draußen. Sie bahnten sich einen Weg durch die Menge zum großen Portal des königlichen Schlosses. Es war geschlossen und bewacht. Aber sie brauchten nicht lange zu warten und der Empfangsmeister erschien. Er führte sie unverzüglich zum König. Diesmal empfing er sie im prunkvoll ausgestatteten Thronsaal. Es waren nur der König und der Weise Moram anwesend. Beide blickten ziemlich ernst. Es gab schlechte Neuigkeiten. Die Kundschafter und Späher waren einer gefährlichen Bruderschaft auf die Schliche gekommen die sich Natas Priester nannten und anscheinend von der anderen Seite der Welt kamen. Wie viele von diesen Priestern herumliefen konnte niemand abschätzen aber sie tauchten an den unterschiedlichsten Orten auf und wollten offensichtlich die Macht übernehmen. Außerdem hatten sie die Orks gegen den Rest der Welt aufgestachelt und schickten sie gezielt zu Dörfer und Burgen um Verwirrung und Unheil zu stiften. Die Natas Priester waren allem Anschein nach magisch begabt. Sie konnten anderen Lebewesen ihren Willen aufzwingen und auf Dauer hypnotisieren. Zweifelsfrei waren sie selbst genauso hypnotisiert oder vielmehr besessen. Was sie eigentlich bezwecken wollten wußte niemand. Eines stand jedoch felsenfest, die Priester waren nur Marionetten. Irgendwer zog im Hintergrund die Fäden und verfolgte einen ganz bestimmten Zweck. Über die Priester selbst wußte man auch nicht sehr viel, sie hatten nur eines gemeinsam; überall wo sie auftauchten gab es kurz danach Tote. Es war gelungen einen dieser Priester gefangenzunehmen, doch nach wenigen Tagen der Gefangenschaft starb er auf unerklärliche Weise. Als die Wachen seinen Kerker öffneten lag er ohne Anzeichen von Gewaltanwendung tot am Boden. Die wenigen Informationen die ihm bis dahin von Moram, teils auf magische Weise, entlockt wurden brachten aber wenigstens etwas Licht hinter die Machenschaften der Priester. Das Hauptquartier lag irgendwo auf der anderen Seite der Weltscheibe. Das erklärte Ziel der Priester war die ganze Welt zu beherrschen und von allen Ungläubigen zu säubern, um ihrem Herrn, Natas, einen würdigen Empfang zu bereiten. Moram hatte leider nicht herausgefunden ob es irgendein Oberhaupt, oder einen Anführer in dieser Vereinigung gab. Immer wenn seine Fragen in diese Richtung gingen schwieg der Gefangene beharrlich. König Marco blickte nachdenklich auf die Gefährten und stellte plötzlich eine Frage: "Sagt euch das Wort "Whuosa" etwas?"

Er hatte mit diesem Wort ziemliche Verwirrung gestiftet: "Was hat er gesagt? ... Wasser? ... Was meint er mit "Wasser"? ... Was ist los? .. Wovon redet der?"

Der König unterbrach das Geplapper und wiederholte das Wort langsam, laut und deutlich:

"W H U O S A !"

Davidudl hob die Hand und sagte: "Ich weiß was es ist. - Das ist zum Trinken und manche Waschen sich sogar damit."

Marco winkte ab und deuetete zum Himmel: "Aber nein! Wißt ihr eigentlich wie unser wunderschöner Mond heißt?"

Alle antworteten wie aus einem Mund: "Mond!"

Marco griff sich an die Stirn: "Aber nicht doch, der Mond heißt Whuosa."

König Marco weihte sie nun in ein Geheimnis ein von dem nur wenige etwas wußten. Als vor dreitausend Jahren die Welt nahe dem Untergang war und schließlich doch noch gerettet wurde, gründeten die zwölf legendären Helden ein Bündnis. Sie alle hatten die Ausstrahlung des Mondes entdeckt der ihre jeweiligen Fähigkeiten enorm steigerte. Sie nannten den Mond Whuosa. Er verkörperte alles positive und gute in der Welt. Mit vereinten Kräften und Whuosas Hilfe gelang

es den Zwölf alles Böse aus Mystia zu vertreiben. Als sie den letzten dunklen Schatten in das Dimensionsloch auf der Insel Mystica zurückgetrieben hatten verschlossen, sie den Riß im Weltgefüge und legten zwölf magische Siegel darüber. Rund um die Siegelstätte, im Inneren eines Berges baute man bald danach eine Burg, in der fortan ein Bund von Eingeweihten über die Siegel wachte. In dieser geheimen Burg namens Ultimo wurden in all den Jahrtausenden die geheimen Lehren Whuosas weitergegeben. Der Bund hatte niemals das Bestreben sich über die Welt zu verbreiten und die Bevölkerung mit irgendwelchen Ideologien zwangs zu beglücken. Nur wer die oft wundersamen und beschwerlichen Wege zur Burg Ultimo fand wurde aufgenommen. Einige wenige des Bundes waren allerdings immer im Land unterwegs, oder bei Königen und Fürsten zu Gast. In Brilante wurden seit jeher eine kleine Kapelle und ein paar Räume von Mitgliedern des Bundes bewohnt. König Marco und Prinz Andrus waren Mitglieder des Bundes obwohl sie nie die Burg Ultimo gesehen hatten. Viele waren in letzter Zeit aufgenommen worden ohne je auf Ultimo gewesen zu sein. In diesen Zeiten konnte der Bund auf niemanden verzichten der bereit war mit Whuosas Hilfe für Mystia zu kämpfen. Und so trat König Marco vor die sechs Gefährten, die das Wort "Whuosa" noch immer nicht richtig aussprechen konnten und fragte sie feierlich: "Wollt ihr euer Leben von nun an dem Wohle Mystias widmen?"

Den Anlaß für ihre Zustimmung gab der Mitgliedsausweis; ein wunderschöner Anhänger den ihnen König Marco vor die Nase hielt.

Heute Nacht sollte die Weihe stattfinden. Es war aber nicht nur einfach so, daß sie irgend eine Beitrittserklärung unterzeichnen sollten. Moram sagte ihnen, daß heute Nacht Kräfte in ihnen geweckt würden die schon immer in ihnen schlummerten von denen sie nur bis heute nichts geahnt hatten.

Bevor die sechs Anwärter zu ihren Gemächern gingen erzählte Anaid dem König wie heldenhaft sich Prinz Andrus beim Schutz der Karawane bewährt hatte. Andrus war bereits so hervorragend geschult, daß er ohne weiteres den Begleitschutz für die Karawane alleine bewältigen konnte. König Marco war zufrieden, vielleicht sogar ein bischen stolz auf seinen Stammhalter und

betrachtete die zukünftigen Mitglieder des Bundes. Seit dem Kampf mit dem Drachen im Saurusgebirge hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt sich neu einzukleiden oder ihre Wunden anständig zu verbinden. Sie sahen aus wie heruntergekommene Landsreicher. Als sie sich zum Gehen wendeten und dabei unentwegt das Wort "Whuosa" richtig auszusprechen versuchten rief ihnen Marco nach: "Einen Moment noch. Könntet ihr dieses Wort auf den Gängen etwas leiser Üben, dies ist nämlich ein Geheimbund! Und für heute Abend zieht euch doch bitte ein wenig feierlicher an. - Ja?"

Die Gefährten übten das Wort lautlos weiter und verschwanden durch die Tür. König Marco schaute nachdenklich zu seinem Berater Moram: "Meinst du wirklich, daß es richtig war sie einzuweihen? Manchmal glaube ich fast die sind nicht ganz richtig im Kopf."

Moram lachte und erwiderte: "Du hast schon recht, sie sind ein seltsamer Haufen und bringen wahrscheinlich niemals den nötigen Ernst auf. Aber glaube mir, es sind die Richtigen. Ich spüre das ganz deutlich. Vielleicht ist es ja gerade diese Unbekümmertheit und der Größenwahn der sie zu zukünftige Helden macht."

Marco nickte und meinte: "Wahrscheinlich hast du recht. Wenn man sich andauernd Gefahren aussetzt und sein Leben lang kämpfen muß, darf man nicht alles so Ernst nehmen. Eines kann ich jedenfalls mit Bestimmtheit vorhersagen. Die Zeremonie mit diesen Sechs wird sicher ein denkwürdiges Ereignis."

Spät am Abend wurden sie in die geheime Kapelle des Schlosses geführt. Durch eine Öffnung in der Dachkuppel schien der Mond Whuosa auf einen mit Symbolen versehenen Kreis am Boden. Der hell erleuchtete Kreis befand sich in der Mitte der Kapelle. Sonst waren in dem hohen Raum nur noch ein kleiner Altar, ein steinernes Wasserbecken an der Wand und einige Holzbänke zu sehen. Außer den Gefährten waren Moram, König Marco und zwei vermummte Gestalten anwesend. Die beiden Kaputzenträger geleiteten die Anwärter zur vordersten Sitzbank. Moram trat vor den Altar und begann mit den einleitenden Worten der Zeremonie während die Sechs miteinander tuschelten.

Normalerweise lief die Zeremonie so ab, daß die Neulinge der Glaubensgemeinschaft andächtig der Stimme des Meisters lauschten, der Whuosa in rituellen Sprechgesängen huldigte und danach die zukünftigen Mitglieder mit vorher einstudierten Dialogen vereidigte. Moram sah bald ein, daß er sich seinen Singsang heute sparen konnte da ihm kaum noch Beachtung geschenkt wurde. Außerdem kicherte irgendwer andauernd. Er schlug sein Buch zu, aus dem er vorgelesen hatte und erklärte mit einfacheren Worten auf was sie sich heute Nacht einlassen würden. In dieser Nacht sollten Kräfte in ihnen entfesselt werden die dem Wohl des ganzen Landes dienten. Für einen Gefolgsmann Whuosas war es selbstverständlich den Armen und Schwachen zu helfen, Unrecht zu verhüten und keinem Lebewesen unnötiges Leid anzutun. Das schwerste Vergehen war einen Unschuldigen zu töten. Außerdem sollten sie von nun an, jede vierte Nacht dem Mond Whuosa huldigen. Gier nach Reichtum und Macht waren sowieso untersagt. Demut und Askese waren jetzt die wichtigsten Tugenden.

Unter den Gefährten war aufgebrachtes Gemurmle entstanden. Vor allem die Sache mit dem Reichtum mußte noch genauer ausdiskutiert werden. Bevor die feierliche Zeremonie in einem Tumult endete, erklärte Moram rasch die Vorzüge die ein Whuosageweihter genoß. Ab heute standen sie unter dem segensreichen Einfluß Whuosas. Ihre jeweiligen Fähigkeiten würden sich steigern und mancher von ihnen konnte sogar völlig neue Fähigkeiten an sich entdecken. Ihre magischen und körperlichen Kräfte konnten sich ab nun, in nur einer Nacht vollständig regenerieren. Zu guter Letzt mischte sich auch noch Marco in die Beitrittsverhandlung. Er bot freie Kost und Quartier auf Lebzeiten für alle. Jeder sollte ein eigenes Gemach auf Schloß Brilante erhalten. Einen kurzen Aufruhr gab es noch als Moram darauf hinwies, daß die Mitgliedschaft auf immer bestehe und nur durch den Tot endete. Doch bald hatten sich alle mit den Bedingungen abgefunden und stimmten zu.

Moram ließ jeden einzeln in den Lichtstrahl des Mondes treten und berührte mit den Fingerspitzen seine Stirn. Dabei murmelte er einen Zauberspruch der tatsächlich etwas bewirkte. Irgend eine sonderbare Kraft durchströmte sie und breitete sich aus. Es war fast so als ob man unter einem Wasserfall aus hellem blauem Licht stünde, der durch den ganzen Körper floß. Alle fühlten sich nachher nicht nur wie frisch gewaschen sondern ein Teil der Kraft schien in ihnen geblieben zu sein und begann sich auch sogleich auszuwirken. Anaid und Kardoc bildeten sich plötzlich ein magisch begabt zu sein. Davidudl spielte mit den Muskeln, er war fest davon überzeugt, daß sie etwas gewachsenwaren. Osak fühlte sich Geschickter denn je und die Konzentrationskraft von Ibraha und Eduardo war merklich gestiegen. Nun hängte Moram jedem eine dünne Kette mit dem Zeichen Whuosas um. Die Kette war wie sich bald herausstellte magisch denn sie wurde sofort um einige Glieder kürzer und paßte nicht mehr über den Kopf. Moram sagte ihnen daß dieses Amulett von nun an über ihre Taten wachen würde.

Da die feierliche Zeremonie anscheinend schon beendet war fragte Osak den ehrwürdigen Moram: "Sind wir fertig? - Meister."

Unter normalen Umständen sollten die neuen Mitglieder mit ihrem Meister bis zum Morgengrauen Whuosa kniend huldigen. Doch Moram machte nicht einmal mehr den Versuch sie dazu zu überreden. Ehe sie Moram aus der Kapelle führte sah Davidudl eine günstige Gelegenheit seine leere Wasserflasche zu füllen. Er ging zum steinernen Becken, plätscherte ein wenig darin herum und nahm seine Wasserflasche vom Gürtel. Das Wasser sah frisch und klar aus, und seine Flasche war nun eben einmal leer. Die beiden Kaputzenträger stürzten sofort zu Davidudl und hielten seinen Arm fest mit dem er die Flasche untertauchen wollte. Sie stammelten etwas von "Entweihung" und "Blasphemie" versuchten ihn zurückzuhalten. Moram kam zurück und erklärte Davidudl daß in diesem steinernen Becken geweihtes Whuosawasser war welches nicht dafür gedacht war seinen Wasservorrat aufzufrischen sondern für bestimmte Zeremonien und vor allem äußerst sparsam verwendet wurde. Dieses geweihte Wasser konnte nur unter bestimmten Voraussetzungen geweiht werden. Die Kraft dieses Wassers konnte gegen manche Geister und Dämonen eingesetzt werden. Um einfach nur den Durst zu löschen war es viel zu kostbar. Davidudl verlor rasch das Interesse am geweihten Wasser. Seine Flasche konnte er woanders ebensogut auffüllen und Geister und Dämonen waren ohnehin kein Thema für ihn. An ein Wesen, daß nicht mit dem Schwert zu bekämpfen war verschwendete er keinen Gedanken. Moram holte drei Phiolen aus seiner Robe und tauchte sie ins Becken. Er übereichte sie Davidudl und sagte: "Nimm sie an dich und bewahre sie gut auf. Eines Tages könnten sie euch sehr hilfreich sein."

Davidudl bedankte sich und steckte sie ein. König Marco war in einen Nebenraum der Kapelle vorausgegangen und hatte eine Landkarte auf dem Tisch ausgebreitet. Moram führte die Gefährten in den holzgetäfelten Raum und schloß die Tür. Der König bot den Gefährten Platz an und sagte: "Da ihr nun unter dem Schutz Whuosas steht, kann ich euch eine äußerst heikle Aufgabe anvertrauen. Es ist von höchster Wichtigkeit für das Wohl des Landes, daß die Mission schnell und zuverlässig durchgeführt wird."

Er zeigte auf die Landkarte etwas oberhalb von Schloß Brilante: "Dies hier ist Schloß Gelea, Heimstatt von Grani Eitel. Er ist einer meiner treuesten Verbündeten. Meine Kundschafter brachten jedoch unglaubliche Berichte aus Gelea und seinen Ländereien. Angeblich soll sich Grani eine Orkarmee zugelegt haben die seine eigenen Dörfer terrorisieren. Die ganze Schlosswache wurde massakriert und durch Orks ersetzt. Ein Bote brachte gestern die Nachricht, daß zumindest eine Hundertschaft Orks auf die Siedlungen Knepp und Repla losmarschiert, und zwar auf Befehl Grani Eitels. Ich habe einen Verbündeten in die Dienerschaft von Gelea eingeschleust. Er soll ausforschen was im Schloß vor sich geht. Bis jetzt habe ich aber leider noch nichts von ihm gehört. Eure Aufgabe ist es nun unbemerkt in das Schloß einzudringen und Kontakt mit dem getarnten Diener aufzunehmen. Er ist ebenfalls ein geweihter Whuosas und trägt als Erkennungszeichen diese Goldspange."

Marco gab jedem eine kleine Spange die mit einem Edelstein besetzt war: "Doch bevor ihr nach Gelea aufbrecht brauche ich euch noch als Heerführer. Hier in Brilante ist jeder Mann unentbehrlich, denn das Schloß muß jederzeit gegen einen Angriff der Orks gewappnet sein. In der Festung Anaid, am anderen Ende des Mani - Tu, stehen zweihundert Krieger bereit um die Orks am Angriff der Siedlungen Knepp und Repla zu hindern. Morgen früh wird euch ein Schiff nach Anaid bringen wo ihr die Führung der Krieger übernehmt und auf dem schnellsten Weg den Siedlungen zu Hilfe eilt. Von dort ist es dann nicht mehr weit nach Gelea. Ihr müßt Auskundschaften was im Schloß wirklich vor sich geht und ob man es eventuell ohne große Verluste stürmen könnte. Auf jeden Fall seid ihr dort oben auf euch allein gestellt und müßt selbst die Entscheidung treffen was zu tun ist. Ich brauche sicher noch mehrere Wochen um eine Streitmacht aufzustellen die Gelea direkt angreifen könnte."

Nun ergriff auch Moram das Wort: "Wenn ihr in Gelea eindringt achtet darauf ob ihr eine fremdartige Aura spürt. Ich vermute fast, daß einer dieser Natas Priester dort sein Unwesen treibt. Anders kann ich mir Granis plötzlichen Gesinnungswandel nicht erklären. Hütet euch auf jeden Fall vor dem Blick des Priesters, wenn er mächtig genug ist kann er in eure Gehirne eindringen und euch nach Gutdünken manipulieren."

König Marco ging zu einer Truhe an der Wand. Er holte ein paar Goldbeutel heraus und übergab sie den Gefährten. Natürlich nicht zur persönlichen Bereicherung sondern um sich neu Auszurüsten und irgend ein schnelles Transportmittel für die zweihundert Krieger aus Anaid zu organisieren. Da es wirklich eine ansehnliche Summe war von der bestimmt etwas übrigblieb und König Marco nicht erwähnte, daß sie überzähliges Gold wieder abliefern mußten hatte niemand etwas gegen den

Auftrag einzuwenden.

Es war spät geworden und man beschloß den Rest der Nacht noch zu Schlafen. Die Gefährten wurden von Schloßdienern zu ihren neuen Quartieren in einem der Nebengebäude des Schlosses geführt. Die Kammern waren zwar nicht so luxuriös wie jene im königlichen Schlossteil, aber sie hatten schon wesentlich unbequemer gehaust. Vom Fenster sah man gut auf den Innenhof des Schlosses. In jeder Kammer standen schlichte aber stabile Möbel. Sie brauchten nun endlich nicht mehr ihre gesamten Habseeligkeiten mit sich herumzuschleppen. Beutestücke, Reservekleidung, Rüstungsteile und sonstiger Plunder der sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte wurde in den Kästen und Truhen verstaut. Kardoc entdeckte nach kurzer Suche sogar ein leeres Geheimfach in der Wand das sich als Versteck für seine Reiseandenken anbot.

Als er den fugenlos passenden Verschlußstein wieder einsetzte hörte er plötzlich lautes Krachen irgendwo in der Nähe. Er stürzte auf den Gang hinaus, dort hatten sich bereits Osak und Eduardo vor Anaids Tür versammelt. Von drinnen hörte man Holz splittern. Ibraha kam jetzt ebenfalls aus ihrer Kammer. Osak pochte gegen die Tür und rief nach Anaid.

Keine Antwort!

Kardoc wollte soeben zurückgehen und seine Axt holen als sich langsam und knarrend die Tür öffnete. Davidudl steckte seinen Kopf heraus und sagte: "Nix passiert, wir haben nur unsere Zimmer zusammengelegt."

Durch den Türspalt sahen sie eine zertrümmerte Holzwand in einem Mauerbogen welche die beiden Zimmer bis vor kurzem noch voneinander trennt. Er hatte die Täfelung kurzerhand eingetreten.

Am nächsten Morgen terrorisierten alle miteinander die Händler. Einige hatten von der Ankunft der Gefährten Wind bekommen und ihre Läden erst gar nicht geöffnet. Das Einkaufen zog sich wieder einmal unerträglich in die Länge, denn die Gefährten gingen nicht mit bestimmten Kaufwünschen in einen Laden sondern durchwühlten - jeden - Laden um irgendetwas zu kaufen das vor allem unglaublich billig sein mußte. Davidudl entschloß sich schweren Herzens keine Plattenrüstung sonder ein schlichtes Kettenhemd anzulegen. Er war damit zwar viel beweglicher, fühlte sich aber irgendwie nackt und schutzlos. Ibraha entdeckte einen wunderhübschen Kupferkessel in dem sie ihre Kräuter zusammenbrauen konnte. Kardoc kaufte sich einen Kampfstab und schnallte sich seine Axt auf den Rücken. Er fand, daß diese Waffe besser zu seiner neuen magischen Fähigkeit paßte.

Nach einiger Zeit wurden sie von einem Boten des Königs gesucht. Das Schiff war bereit und

Moram wollte sie vor ihrer Abreise noch einmal sprechen.

Der weißhaarige Meister erwartete sie in der Bibliothek und sah erschöpft aus. Er hatte die ganze Nacht über nach einem wirksamen Gegenmittel für die Magie der Natas Priester gesucht. In der kurzen Zeit fand er aber nichts Wesentliches in den Büchern. Es gab zwar einige Hinweise, daß Metall die hypnotische Wirkung zumindest etwas abschwächte, aber das waren nur Gerüchte. Für Anaid und Kardoc hatte er ein paar einfache Zaubersprüche zusammengestellt mit denen sie ihre neue Fähigkeit ausloten konnten. Moram hatte gestern bei der Weihe bemerkt, daß ihre magische Begabung mehr in die Richtung eines Druiden ging. Typische Magier wie Ibraha und Eduardo manipulierten die Elemente direkt. Das Paradebeispiel dieser Magie war der Feuerball. Durch die Kraft ihrer Gedanken wandelten sie die Luft in einen feurigen Ball und lenkten ihn auf ein Ziel. Anaid und Kardoc würden so etwas nie Zustande bringen. Dafür konnten sie die unsichtbaren Kräfte und Strömungen die überall vorhanden waren beeinflussen. Sie erkannten sofort den Gesundheitszustand eines Lebewesens und konnten günstig darauf einwirken. Unnatürliche Phänomene konnten ihnen nun nicht mehr verborgen bleiben, wie zum Beispiel Untote die manchmal recht aufdringlich sein konnten. Einige richtig ausgesprochene Silben genügten um die widernatürlichen Kräfte auszuschalten. Der Untote würde wieder umfallen und friedlich

weiterverfaulen. Kardoc mußte, da er nicht lesen konnte, die Sprüche auswendig lernen. Es war nun unumgänglich, daß er etwas für seine Bildung tat.

König Marco und Moram begleiteten sie noch bis zum Landungssteg. Kaum waren die Sechs an Bord legte das Schiff ab und segelte zur Festung Anaid. Die Flugdrachen ließen sich inzwischen auf Kosten des Königs mästen. Den Gefährten war kurz vor der Abreise noch eingefallen, daß ihre Tiere ja inzwischen unversorgt waren und König Marco hatte sich in der Eile überreden lassen für die Dauer des Feldzuges für die Flugdrachen zu sorgen.

Das einmastige Schiff kam schnell in Fahrt. Kardoc nützte die Gelegenheit und studierte die gängigsten Schriftzeichen. Von Ibraha hatte er sich Schreibzeug ausgeborgt mit dem er ein Blatt Papier nach dem anderen vollkritzelte. Am Abend erreichten sie wieder festes Land und Kardoc zeigte stolz sein Werk. Auf einem Stück Papier stand sein Name; - so behauptete er jedenfalls. Denn was auf dem Papier geschrieben stand konnte beim besten Willen niemand lesen. Am Ufer standen zwei Pferdewagen bereit und brachten sie unverzüglich zur Festung. Die Burg Anaid hatte ungewöhnlich hohe Mauer und vier mächtige Ecktürme. Überall sah man Schießscharten und Wehrgänge. Die Pferdewagen klapperten auf dem hölzernen Steg über den breiten Burggraben. Die Zugbrücke war bereits heruntergelassen und aus dem Innenhof schien Fackellicht. Drinnen erwartete sie, von einigen Kriegern umringt, der Herr der Festung. Ein Elf von ungefähr Hundertdreißig Jahren stellte sich vor. Er war ein entfernter Verwandter von Anaid. Vor langer Zeit hatte ein gemeinsamer Vorfahre der beiden die Festung Anaid errichtet. Der Urahne hatte eine ausergewöhnliche Vorliebe für Fisch gehabt. Er zog einst hierher zu den fischreichen Gewässern des Mani - Tu und baute sich eine Fischerhütte. Der Elf war aber nur die schützende Umgebung des Elfenwaldes gewohnt und fühlte sich in dieser flachen Gegend hilflos allen Gefahren ausgeliefert. Deshalb baute er seine Fischerhütte etwas wehrhafter und saß schließlich in einer Festung die er nach seiner Gattin - Anaid benannte. Im Innenhof war ein richtiger kleiner Wald angelegt worden und in der Mitte stand ein großer Ziehbrunnen. Die Gebäude der Festung lagen rundum an der hohen Burgmauer.

Der Elf ging mit den Gefährten zu einem der größten Gebäude und zeigte ihnen die Truppe die sie befehligen sollten. In einem großen Speisesaal saßen an die zweihundert Krieger und begrüßten ihre neuen Anführer auf unterschiedlichste Art und Weise. Ein paar Veteranen sprangen auf und standen stramm, den Blick zur Decke gerichtet. Einige andere verbeugten sich mehr oder weniger tief, der Rest klatschte, johlte und pfiff. Der Elf blickte entschuldigend und zuckte mit den Schultern. Er meinte aber, daß sie sich keine Sorgen machen sollten. Die meisten der Krieger waren zwar Rekruten aus den umliegenden Dörfern doch alle hatten schon Erfahrung im Kampf und waren gut ausgerüstet.

Am nächsten Morgen verließen die kleine Armee in aller Frühe die Festung Anaid. Die Gefährten eilten mit den Pferdewagen zur Hafenstadt Jalem voraus um ein geeignetes Schiff zu mieten. Nach sechs Tagen Gewaltmarsch hatten die zweihundert Krieger Jalem ebenfalls erreicht und gingen an Bord eines zweimastigen Segelschiffes. Der Wind stand günstig und sie kamen rasch voran. Nach drei Tagen sahen sie in der Ferne bereits das Dorf Repla und den Landungssteg, der weit ins Meer reichte.

Es lag kein einziges Schiff vor Anker. Der Kapitän meinte dies sei sehr ungewöhnlich, denn Repla war normalerweise ein Umschlagplatz für den Fischhandel. Er rief dem Matrosen im Mastkorb zu er solle genau Ausschau halten. Es war aber selbst von dort oben nicht einmal ein winziges Fischerboot zu sehen. Das Schiff näherte sich langsam dem Landungssteg. Plötzlich rief der Ausguck aufgeregt hinunter. Er sah wie in den Straßen von Repla gekämpft wurde und außerdem hatte er in Hafennähe ein versenktes Schiff entdeckt.

Der Landungssteg rückte immer näher, von weitem hörte man jetzt auch Waffen klirren. Es sah fast so aus als ob sie zu spät gekommen waren. Der Kapitän legte mit einem halsbrecherischen Manöver am Landungssteg an, die Krieger und ihre Anführer sprangen von Bord. Ihre Ankunft war unbemerkt geblieben. Bei den Hafengebäuden regte sich nichts, doch in den Gassen sahen sie bereits einige Orks die den Bewohner der Stadt nachjagten. Die Flüchtenden hatte kaum brauchbare Waffen um sich gegen die Übermacht der Orks zu verteidigen. Die Gefährten zeigte auf die Orks und gaben ihren Kriegern einen schlichten und klaren Befehl: "Macht sie nieder!"

Sie rannten den Kriegern voran und stürzten sich ins Schlachtgetümmel. Die Orks hatten schon einige Zeit in der Stadt gewütet. Überall lagen Tote und Verwundete Einwohner. Manche Häuser wurden gerade geplündert, die meisten Türen waren eingeschlagen worden. Die Orks waren auf die unerwartete Hilfe für Repla nicht gefaßt. Die Krieger drangen von allen Seiten in die Stadt vor. Im Zentrum der Stadt war nach kurzer Zeit ein furchtbares Gemetzel im Gange. Die Gefährten wüteten unter den Orks und jene die flüchten wollten wurden von den Kriegern gestellt. Die blutige Schlacht dauerte nicht lange.

Als es in den Straßen ruhiger wurde und kein lebender Ork mehr zu sehen war wagten sich einige Bewohner aus ihren Häusern. Repla war völlig verwüstet. In den Straßen lagen überall Leichen. Auch ein paar Krieger waren gefallen. Anaid und Kardoc heilten mit ihrer Magie Wunden vieler Verletzter. Sie hatten aber noch wenig Übung und ihre Kräfte erschöpften sich rasch. Jedes mal wenn sie sich auf eine Verletzung konzentrierten und einen einfachen Heilspruch formulierten schien dafür ein Teil ihrer eigenen Lebensenergie entzogen zu werden.

Osak hatte einen Bauernburschen gefunden der aus Knepp stammte. Das Dorf war bereits vor mehreren Tagen überfallen worden und er hatte als Einziger überlebt. Der junge Mann kannte einige versteckte Pfade und Seitenwege auf denen er hierher gelangte. Seine Ortskenntnis war für die Gefährten eine unschätzbare Hilfe, denn sie wollten möglichst unbemerkt nach Gelea gelangen. Der Bursche versprach die Truppe unbemerkt bis in die Nähe Schlosses zu führen. Er kannte angeblich sogar einen Geheimgang der in die die Burg führte.

Am nächsten Morgen erwachten sie sehr früh und bemerkten zum erstenmal den heilsamen Einfluß Whuosas. Normalerweise hätten sie nach so einer Schlacht noch immer völlig erledigt sein müssen.

Anaid und Kardoc hatten bis zum Umfallen ihre Heilkräfte wirken lassen, Ibraha und Eduardo hatten sich mit ihren Zaubersprüchen völlig verausgabt. Osak fegte die ganze Zeit wie ein tödlicher Wirbelwind durch die Orkhorde und Davidudl hatte sich durch die andauernden wuchtigen Schwertschläge beide Hände geprellt. Und nun erwachten sie völlig frisch und ausgeruht als ob sie gestern lediglich einen kleinen Spaziergang gemacht hätten. Kleinen Kratzer und Wunden die sie erlitten hatten waren ebenfalls verschwunden. Die Krieger standen im Gegensatz dazu nur widerwillig auf, als zum Aufbruch gesammelt wurde.

Der Bauernbursche führte sie auf verborgenen Pfaden, meistens durch dichtes Buschwerk Richtung Gelea. Während des langen Fußmarsches erinnerten sich die Gefährten sogar zweimal an die Worte Morams und huldigten, kurz aber dennoch, am Abend dem Mond Whuosa.

Osak wurde der Marsch anscheinend bald langweilig denn er erfand ein neues Spielchen. - Leute schrecken. Er spielte es meistens Nachts. Leise schlich er zu seinem Opfer, riß es aus dem Schlaf und rief: "Buhh, ich bin der grausliche Nataspriester!"

Dabei bleckte er die Zähne, geiferte und starrte wie irrsinnig. Im Laufe der Tage wurde es eine richtig üble Angewohnheit von ihm den wahnsinnigen Nataspriester zu spielen.

Nach acht Tagen sahen in der Ferne, auf einer Anhöhe, das Schloß Gelea. Der Bauernbursche hatte es tatsächlich geschafft und die ganze Truppe unbemerkt bis hierher geführt. Auf einer versteckten Lichtung wurde ein Lagerplatz eingerichtet. Der Bursche ging mit den Gefährten ein Stück weiter zu einem Hügel und bog dort einen Strauch zur Seite. Dahinter befand sich ein mannshohes Loch. Der Geheimgang! Angeblich endete er irgendwo in den Katakomben des Schlosses.

Plötzlich hörten sie einen schwachen Hilferuf aus dem Loch. Wenige Schritte nach dem Eingang lag ein Mann. Er hatte eine schlimme Bißwunde am Bein und stöhnte nur noch ganz schwach. Osak und Eduardo trugen ihn aus der Höhle und Anaid untersuchte seine Wunde. Davidudl und Kardoc gingen inzwischen ein Stück weiter in die Höhle vor. Kardoc sprach einen Lichtspruch und der lehmige Gang begann schwach zu leuchten. Es war jedenfalls genug Licht um zu sehen was den Mann derart verletzt hatte. Der Gang wurde nach Hinten breiter und führte in eine große Kammer. Ein riesiges schleimiges Monstrum hauste in der feuchten Höhle. Es sah ähnlich aus wie die weißen Würmer denen sie schon im Zwergengebirge begegnet waren. Nur war dieser hier um einiges größer, aber dafür auch träger. Langsam wendete er sich Davidudl und Kardoc zu und öffnete seinen schleimigen, mit spitzen Zähnen gespickten Rachen. Eine Wolke fauligen Gestankes ließ die beiden zurückweichen. Der Riesenwurm verfolgte sie nicht, er war zu dick für den Gang. Draußen hatte Anaid inzwischen festgestellt das der Wurm ein heimtückisches Gift absonderte. Es war nicht tödlich sondern lähmte den ganzen Körper binnen weniger Augenblicke. Der Mann wäre in dem Loch elendig verhungert.

Ibraha setzte ihren neuen Kupferkessel auf ein kleines Feuer, packte ein paar Kräuter aus ihrem Ranzen und braute daraus einen Trank der das Gift neutralisieren würde. Nachdem sie dem Mann ein paar Tropfen eingeflößt hatten konnte er sich tatsächlich wieder etwas bewegen und sprechen. Davidudl zog ihn hoch und lehnte ihn gegen einen Baumstamm. Dabei entdeckte er unter dem Rever seiner Kammerdieneruniform eine kleine Goldene Spange mit einem Edelstein. Das mußte der Kundschafter sein von dem König Marco sprach. Die Gefährten gaben sich nun ihrerseits durch ihre Spangen zu erkennen und fragten ihn nach den Vorgängen in der Burg aus. Der Spion erzählte, daß Schloß Gelea tatsächlich fast nur mehr mit Orks besetzt war von denen die meisten zur Zeit aber auf einen Feldzug geschickt worden waren. Momentan hielten ungefähr dreißig Orks das Schloß besetzt. Er selbst hatte sich als Bediensteter des Schlosses getarnt. Von den ehemaligen Bewohnern und Angestellten des Schlosses waren bis auf wenige Ausnahmen alle tot oder im Kerker eingesperrt. Grani und seine Braut standen voll im Bann eines Natas Priesters, ein zweiter befehligte die Orks. Heute morgen mußte der Spion jedoch flüchten, die Nataspriester hatten Verdacht geschöpft, sie spürten anscheinend seine Anwesenheit. Die Nataspriester hatten heute Nacht während er schlief versucht Zugang zu seinem Geist zu finden und hätten ihn auch beinahe entdeckt. Zum Glück wachte er rechtzeitig auf und flüchtete Hals über Kopf durch den Geheimgang. Dort erwischte ihn dann aber der giftige Wurm.

Es war keine Zeit mehr zu verlieren. Die Gefährten gaben den Spion in die Obhut der Krieger und schickten sie nach Brilante um Bericht zu erstatten. Das Schloß wollten sie im Alleingang einnehmen. Eine ganze Armee währe viel zu auffällig für diese Mission gewesen.

Als erstes mußten sie an dem giftigen Wurm vorbei. Ibraha deckte ihn aus sicherer Entfernung mit ein paar Feuerbällen ein. Das Monstrum war aber ziemlich zäh, die schleimige Schicht schwächte das Feuer stark ab. Es blieb nicht anderes übrig als mit blankem Stahl anzugreifen. Ibraha hielt ihren Entgiftungstrank bereit den sie vorher gekocht hatte. Anaids Pfeile waren fast wirkungslos, der Wurm mußte zerstückelt und zerhackt werden. Davidudl wagte sich als erster in die Höhle und schlug ein paar mal in das schwabbelige weiße Fleisch. Plötzlich stöhnte er auf und schleppte sich zurück. Er hatte nur einen kurzen Moment die Haut des Wurms berührt und war sofort vergiftet worden. Ibrahas Entgiftungstrank hob die Wirkung aber sogleich wieder auf. In der Höhle spielte sich ein eigenartiger Kampf ab. Davidudl, Osak und Kardoc hackten auf dem Wurm herum der sich kaum wirkungsvoll wehren konnte. Sobald einer von ihnen mit der Haut des Wurms in Berührung kam ging er, entweder aus eigener Kraft oder von Eduardo und Anaid getragen, zu Ibraha wo ihm einige Tropfen des Entgiftungstranks eingeflößt wurde. Danach eilte er frisch geheilt wieder zurück zum fröhlichen Schlachten.

Ibrahas Trank ging schon zur Neige als der Wurm endlich leblos zusammensackte. Vorsichtig gingen sie an dem Wurm vorbei und folgte dem Gang am anderen Ende der Höhle. Der erdige Gang führte schnurgerade in Richtung Gelea. Diesmal hatte Anaid einen Lichtspruch versucht. Ibraha war froh ihre Kraft nicht mehr dauernd wegen dieser lästigen Kleinigkeiten beanspruchen zu müssen und nickte beifällig zu dem diffusen Leuchten in der Umgebung. Das Leuchten war zwar nicht die gewohnte magische Fackel, bei der Ibraha selbst Licht ausstrahlte, sondern Anaid hatte mit ihrem Spruch anscheinend der Luft und den Gangwänden selbst, auf magische Weise Licht entlockt. Es war nirgends eine bestimmte Lichtquelle auszumachen. Alles was in Anaids Nähe befand leuchtete gedämpft von innen heraus.

Leise gingen sie weiter. Der Gang war mit Sicherheit künstlich angelegt worden, denn er veränderte weder seinen Durchmesser noch die Richtung. Außerdem roch Kardoc ganz deutlich die Grabwerkzeuge mit denen hier einst gearbeitet wurde. Es gab keine Abzweigungen oder Kammern. Osak ging ganz vorne und erblickte als erster das Ende des geheimen Burgzugangs. Er deutet auf die großen Steinquader die den Weg versperrten und meinte: "Ha, wir sind zu früh hier. Der Geheimgang ist ja noch gar nicht fertig."

Sie standen vor einer Wand aus großen Steinquadern, wahrscheinlich waren es die Grundmauern des Schlosses. Kardoc suchte die Wand ab und fand bald in der Ecke eines Quaders einen losen Stein. Er drückte ihn tief hinein. Ein Teil der Wand schwenkte knirschend beiseite und gab einen Durchgang frei. Dahinter führte ein stickiger, modriger Gang weiter. An den Wänden waren uralte Symbole, Wappen und Totenköpfe eingemeißelt. Es lag irgend etwas unheimliches in der Luft. Nach wenigen Schritten sahen sie links und rechts des Ganges offene Torbögen. Sie schlichen weiter und schauten in die Torbögen. Es waren lauter Kammern in denen große steinerne Sarkopharge standen. Die Familiengruft der Eitels.

Irgendetwas stimmte hier nicht. Sie fühlten immer deutlicher, daß von irgendwo Gefahr drohte. Die Sarkopharge waren es aber nicht, die Eitels schliefen alle friedlich ihren Totenschlaf. Die böse Aura kam von weiter vorn, vom Ende des Ganges. Mit gezogenen Waffen gingen sie vorsichtig auf die verwitterte Holztür vor ihnen zu und lauschten. Irgend wer murmelte dahinter ununterbrochen einen monotones Sprechgesang. Danach hörten sie Schritte und schleifende Geräusche. Kurz darauf schepperte es gedämpft hinter der Tür, als ob jemand einen Haufen Holzstöckchen oder Knochen ausleeren würde. Die Gefährten nickten einander stumm zu, dieses garantiert unheilige Treiben hinter der Tür mußte beendet werden. Die Tür sah nicht besonders stabil aus. Davidudl nahm einen kurzen Anlauf warf sich dagegen. Krachend flogen die morschen Bretter aus dem Rahmen und die Gefährten platzten mitten in eine Wiederauferstehungsfeier. Am Ende der etwa dreißig Schritt langen Halle stand hinter einem Altar ein Mann mit erhobenen Händen und starrte fassungslos auf die Eindringlinge. Neben ihm, und nicht weniger verwundert, drei Orks. Sie hatten soeben große Körbe voller Menschenknochen neben dem Altar ausgeleert. Hinter den Orks, bei der Ausgangstür der Halle standen völlig ungerührt zwei Nataskrieger. Und entlang der beiden Seitenwände der Halle schleppten sich gut zwanzig Untote voran. Bei einigen hing noch verfaultes Fleisch und Kleidungsfetzen herunter, die meisten bestanden aber nur noch aus blanken Knochen. Der Zeremonienmeister hinter dem Altar war unzweifelhaft ein Nataspriester. Er hatte sich schnell vom Schreck erholt und sprach eine Beschwörungsformel. Daraufhin setzen sich alle Untoten in Bewegung, - in Richtung der Gefährten. Davidudl war nicht mehr zu Halten, er stürmte vorwärts. Während er auf die Knochenmänner, die den Weg verstellten, eindrosch schrie dem Nataspriester zu: "Jetzt bist du dran verfluchter Hexer, ich werde dich schlachten!"

Anaid und Kardoc sprachen immer wieder eine magische Formel gegen Untote, die ihnen Moram gelehrt hatte. Tatsächlich klappen einige Untote urplötzlich leblos zusammen. Aber der Zauberspruch kostete die beiden noch sehr viel Kraft, auf diese Art konnten sie nicht alle besiegen. Während Eduardo und Ibraha mit Feuerbällen und Eiskugeln die Reihen der Untoten lichteten versuchten Davidudl und Osak zum Altar vorzudringen. Der Nataspriester unternahm nichts, sondern beobachtete nur aufmerksam das Geschehen.

Endlich waren die meisten der Skelette wieder zu einem leblosen Gebeinhaufen zusammengeklappt, Davidudl und Osak rannten vorwärts. Kardoc hatte wieder seine Axt genommen und schlug auf die restlichen Skelette ein. Zu Davidudls Leidwesen zeigte der Nataspriester etwas mehr Intelligenz als die Untoten. Er hatte seit Stunden Untote erschaffen und war momentan nicht fähig wirkungsvolle Zaubersprüche auf die Angreifer zu werfen. Er flüchtete.

Die Orks folgten ihm durch die Tür. Die beiden Nataskrieger schlossen die Tür und bauten sich davor auf. Davidudl blieb stehen, in seinen Augen spiegelte sich der blanke Wahnsinn. Seine Stimme überschlug sich als er schrie: "NEIIIIIN!"

Osak bemerkte nur trocken: "Die sind weg."

Davidudls Schwertarm hing schlaff herunter, es war zu viel. Er konnte nicht begreifen warum der Nataspriester geflüchtet war und sich nicht wie jeder anständige Feind zum Kampf stellte. Er hatte mit einem Mal jedes Interesse an diesem Kampf verloren. Wütend trat er nach den herumliegenden Knochen. Während er zwischen den Überresten der Untoten in den dunklen Gang zurück ging kämpften Kardoc und Osak gegen einen der Nataskrieger. Der Zweite wurde nach einigen glücklichen Treffern von Anaid und den beiden Magiern niedergestreckt. Nach einem Doppelschlag von Osak, den der Nataskrieger nicht mehr parieren konnte, löste sich dieser in roten Rauchschwaden auf.

Der geflüchtete Nataspriester hatte die Tür natürlich versperrt und sie schien äußerst stabil zu sein. Kardoc besah sich das Schloß. Es war nicht besonders kompliziert und konnte sicher rasch geknackt werden. Vorher gab es aber noch ein kleines Problem. Davidudl war verschwunden.

Anaid stand vor der zertrümmerten Holztür rief in den dunklen Gang hinein: "Bist du noch da? - Wir werden den Nataspriester schon noch erwischen. Der hatte eben fürchterliche Angst vor dir und ist davongerannt!"

Aus der Dunkelheit hallte die Antwort zurück: "Nein, nein. So geht das nicht. Was soll denn das für ein Kampf sein wo jeder der ein wenig im Nachteil ist gleich davonrennt. Ich werde mich jedenfalls nicht mit solchen Feiglingen herumschlagen. Ich gehe jetzt zurück und suche mir einen würdigeren Gegner."

Zur Bekräftigung seiner Worte stapfte er demonstrativ mit schweren Schritten durch die Dunkelheit. Er hatte keine Fackel mitgenommen und tastete sich an der Wand entlang. Kardoc hielt Anaid zurück die den Starrkopf zurückholen wollte und sagte: "Laß ihn erst einmal etwas abkühlen, weit kommt er sowieso nicht. Die Geheimtür zum Stollen habe ich wieder verschlossen."

Kaum hatte er ausgesprochen schepperte es laut im Gang. Davidudl war über irgend etwas gestolpert. Fluchend erhob er sich wieder. Seine fürsorglichen Gefährten riefen in den Gang: "Ist dir was passiert?" - "Soll ich kommen und Licht machen?" - "Schau doch einmal nach ob das einer von Granis Verblichenen war, über den du gestolpert bist." - "Mach nichts kaputt, - wir sind hier nur Gäste." - "Könntest du nächstes mal etwas leiser stürzen? Immerhin sind wir in geheimer Mission unterwegs."

Davidudl ignorierte das Gespött und rief: "Ihr braucht gar nicht herzukommen. Ich komm blendend ohne euch zurecht. Und - ich gehe jetzt!"

Er verhielt sich still und wartete auf die Stimmen die ihn zurückhalten sollten. Einige Zeit rührte sich nichts. Die Stille wurde immer unerträglicher. Endlich flüsterte Kardoc zu den anderen: "Jetzt ist er soweit."

Er rief in den Gang: "Bist du noch da? Also wir haben uns das Ganze jetzt überlegt. Wir glauben nicht, daß wir es ohne dich schaffen können. Wenn du nicht mitkommst müssen wir die ganze Sache abblasen. Es liegt jetzt nur an dir ob der Auftrag des Königs erledigt wird."

Davidudl antwortete erleichtert: "Na gut, wenn`s unbedingt sein muß, dann komm ich eben mit. Aber - es ist trotzdem unter meiner Würde gegen Feiglinge zu kämpfen."

Die Gefährten hatten Fackeln von den Wänden der Halle genommen und gingen ihm entgegen. Nachdem die Truppe wieder komplett war machten sie sich erst einmal Gedanken über ihr weiteres Vorgehen. Die Nataspriester waren auf jeden Fall gewarnt und konnten sich auf einen Angriff vorbereiten. Es würde jetzt um einiges schwieriger werden Schloß Gelea einzunehmen. Das Wichtigste aber schien Allen, jetzt so schnell wie möglich weiter vorzudringen. Nach ein paar Schritten wurden sie aber wieder aufgehalten. Anaid hatte an der Gangmauer irgendetwas entdeckt. Im Fackellicht war der feine Spalt in der Mauer kaum zu sehen aber es war anscheinend eine Geheimtür. Nach einiger Suche fanden sie tatsächlich den Auslösemechanismus. Stockend öffnete sich ein Teil der Wand und gab eine schmalen Spalt frei. Der Raum war bis auf ein Podest in der Mitte völlig leer. Auf dem Podest stand der größte geschliffene Kristall den sie je gesehen hatten. Seine unzähligen Facetten funkelten schwach im Fackellicht. Kardoc suchte einen Schließmechanismus für die Geheimtür damit sie sich den Kristall ungestört betrachten konnten. Neben der Tür fand er nach kurzer Suche einen drehbaren Stein und schloß die Tür. So einen riesigen Edelstein war bestimmt unglaublich schwer, wenn es überhaupt ein Edelstein war. Osak überlegte ob man den vielleicht zertrümmern sollte; selbst die Scherben müßten ein Vermögen wert sein. Seine Wunschträume wurden aber jäh von Ibraha und Eduardo zerstört denn sie behaupteten der Kristall wäre überhaupt kein Edelstein. Ibraha legte ihre Hände auf die schillernde Oberfläche und sagte: "Ich weiß zwar nicht aus was dieser Stein ist aber ich fühle eine schwache magische Aura."

Eduardo und Ibraha griffen immer wieder auf den Kristall und rätselten um seinen Zweck. Kardoc waren Edelsteine aus den Minen in Zwergenbergen vertraut aber das hier konnte er sich beim besten Willen nicht erklären. Anaid meinte, daß er vielleicht künstlich geschaffen wurde.

Davidudl verlor schnell das Interesse an dem, seiner Meinung nach völlig unnützen Kristall und zog seinen Wetzstein um die Schwertklinge zu schärfen. Osak interessierte das wissenschaftliche Gefasel ebenfalls weniger nachdem er erfahren hatte daß der Kristall nichts wert war. Er schlenderte durch den Raum und betrachtete die glatten Steine. In einer Ecke war ein handbreiter Spalt in der Mauer. Er leuchtete mit seiner Fackel hinein und sagte überrascht: "Oh, seht mal, - ein Hebel." - und drückte ihn gnadenlos nach unten.

Ibraha und Eduardo zuckten entsetzt vom Kristall zurück. Ein grelles weißes Licht leuchtete plötzlich im Inneren auf und wurde rasend schnell größer. Gleißende Helligkeit durchflutete den Raum. Die Gefährten sahen nur mehr grellbunte Streifen und weiße Punkte. Dann verloren sie den Boden unter den Füßen. Sie fielen aber nicht in eine Fallgrube sondern schwebten anscheinend regungslos in der Luft. Es war in der Helligkeit unmöglich zu erkennen was in der Geheimkammer vor sich ging. Ihr Rufen und Schreien blieb völlig wirkungslos, denn es war überhaupt nichts mehr zu hören.

Ebenso schnell wie das Phänomen gekommen war, verging es auch wieder. Innerhalb weniger Augenblicke verblaßte der Kristall und stand wieder unscheinbar auf dem Podest. Das Fackellicht wirkte jetzt richtig düster im Vergleich zum Licht des Kristalls. Osak stand noch immer in der Ecke und stammelte: "Das... war ich nicht. Ich hab mir nur den Hebel angeschaut... und dann... dann ist er plötzlich von alleine herunter gefallen... wirklich!"

Ehe er von den Anderen belehrt werden konnte welche Hebel er zu drücken hatte und welche nicht, machte Kardoc eine grauenvolle Entdeckung. Er stand an der Wand, wo sie hereingekommen waren und sagte: "Wißt ihr was der Idiot gemacht hat?"

Er deutete verdrossen auf die Mauer: "Die Geheimtür ist verschwunden!"

Nach einem kurzen Moment des Schreckens erhob sich ziemliches Geschrei in der kleinen Kammer. Im ersten Moment wollten sie Osaks als Rammbock verwenden und mit seinem Kopf ein Loch in die Mauer schlagen, aber dann suchten sie lieber doch nach einem anderen Ausgang. Ehe sie aber mit der Suche richtig beginnen konnten öffnete sich an der gegenüberliegenden Mauer eine Geheimtür durch die eine Gestalt hereinschaute. Den Gefährten stand der Mund offen als sie die Person erkannten.

Es war Moram.

Eduardo faßte sich als Erster und fragte: "Moram, was macht ihr hier in Gelea?"

Moram schaute etwas verunsichert und sagte dann: "Ihr seid nicht in Gelea. Es sieht so als habt ihr da etwas ganz Wunderbares entdeckt. Ihr habt offensichtlich einen der verschollenen Teleporter gefunden."

Die Gefährten befanden sich wieder in Brilante. Moram führte sie in den Nebenraum und klärte den verwirrten Haufen auf. Von der Existenz der Teleporterkammer in Schloß Brilante wußten nur ganz wenige Leute. Es gab uralte Aufzeichnungen in denen von Teleportern die Rede war, ja es soll sogar einmal ein Weltumspannendes Netz dieser Teleporter gegeben haben. Während der Jahrhunderte gerieten sie aber in Vergessenheit. Es ging nicht immer so zivilisiert zu wie heute und einige ehemalige Herrscher hatten wenig übrig für Magie, Wissenschaften oder anderes Zeug von denen sie nichts verstanden, - wie Teleporter zum Beispiel. In einigen Schriften wurde sogar behauptet der verfluchte Kristall würde Dämonen herbeirufen. Auf alle Fälle hatte bis heute niemand mehr gewagt den Hebel in der Geheimkammer zu legen.

Moram war ziemlich erbaut von der Entdeckung der Gefährten, dieses Transportmittel öffnete ungeahnte Möglichkeiten im Kampf gegen das Böse. Vorausgesetzt man fand noch mehrere dieser Teleporterkammern.

Inzwischen war auch König Marco gekommen und Anaid berichtete wie die Dinge bisher standen. Daß die Nataspriester Untote erschaffen konnten machte Moram ernsthafte Sorgen. Es war zwar auch für ihn nicht ganz unmöglich so einen ähnlichen Zustand bei einem Toten zu erreichen doch um reihenweise Untote zu erschaffen war Mächtige, und vor allem sehr dunkle Magie nötig. Moram äußerte sogar die Befürchtung, daß die Nataspriester eines Tages eine ganze Armee dieser lebenden Leichen aufstellen könnten. Während König Marco über den Zustand im Königreich berichtete zog Kardoc Moram etwas abseits und tuschelte mit ihm irgend etwas. Moram hörte dem Zwerg interessiert zu und nickte: "Na das ist wenigstens etwas erfreuliches. Ich werde dem Zeremonienmeister gleich verständigen, er kann sicher bis heute Abend etwas improvisieren. Wir brauchen ja nicht den ganzen Hofstaat dazu, oder?"

Kardoc schüttelte den Kopf: "Nein, nein. Wer Zeit und Lust hat soll halt kommen. Ich werde jetzt die Anderen einweihen."

Er ging zu Eduardo und Ibraha die gerade über einen Zauberspruch oder andere Möglichkeit diskutierten mit der man der geistigen Beeinflussung der Nataspriester entkommen konnte. Kardoc zog Beide zu sich herunter und flüsterte ihnen etwas zu. Ibraha meinte: "Ach ja? Das wird sicher schön."

Eduardo sagte: "Ich dachte mir schon, daß es irgendwann soweit sein wird."

Kardoc ging weiter zu Osak der etwas abseits stand und mußte dabei an Davidudl vorbeigehen. Er grinste den Krieger unentwegt an. Davidudl schaute verwundert und sah nach, ob irgend etwas mit seinem Äußerem nicht stimmte. Anscheinend war aber Alles in Ordnung und er fragte den grinsenden Zwerg: "Was is? Ist dein Gehirn nicht mit Teleportiert worden?"

Kardoc ging grinsend an ihm vorbei: "Alles in Ordnung mein Bester, mir gehts ausgezeichnet."

Davidudl schüttelte verständnislos den Kopf und gesellte sich zu Anaid und König Marco. Osak lachte laut auf als ihn Kardoc eingeweiht hatte: "Ha, was, wirklich? Heute Abend? Das wurde aber auch langsam Zeit. Es war ja manchmal schon peinlich wie die... Aua!

Kardoc hatte ihm gegen das Schienbein getreten und beide grinsten zu Anaid die aufmerksam geworden war. "Was ist los?" Fragte sie.

Wie aus einem Munde antworteten beide: "Ach, gar nichts."

Um Anaid abzulenken erkundigte sich Osak über den verbleib von Prinz Andrus. König Marco wußte nur, daß er noch bei der Karawane war und die Priesterin Nirmara beschützte. Kardoc meinte dazu: "Ja, ja. Das kann noch dauern. Aber Andrus wird sie sicher Tag und Nacht decken."

Es herrschte kurzes Schweigen, dann fragte Osak Ibraha: "Wie hat er das jetzt gemeint?"

Ibraha konnte sich das Lachen kaum noch verbeißen: "Keine Ahnung, aber ich glaube Andrus wird seinen Mann schon stehen."

Das war zuviel, die Gefährten lachten lauthals los. König Marco wendete sich ab und glugste hinter vorgehaltener Hand. Ein König lacht schließlich nicht über solch niederträchtige Anspielungen, noch dazu wenn sie über den Thronfolger gemacht werden.

Nachdem sich Alle wieder halbwegs beruhigt hatten schlug König Marco vor sie sollten sich jetzt etwas frisch machen. Davidudl verstand zwar überhaupt nicht wozu sie sich jetzt frischmachen sollten. Er hatte eigentlich damit gerechnet gleich wieder nach Gelea zu teleportieren, denn er mußte dort dem Nataspriester noch den Kopf abschlagen. Aber langes Fragen war nicht seine Art und so nahm er Anaid beim Arm und ging sich mit ihr frischmachen.

Der Abend rückte näher und Davidudl war längst frischgemacht. Er lag gelangweilt mitsamt seiner Rüstung am Bett und fragte Anaid wann sie denn nun endlich nach Gelea zurück kehren würden. Anaid füllte ihren Köcher mit neuen Pfeilen und sagte: "Ich weiß nicht. Die Anderen sind irgendwie komisch. Als ich vorhin die Pfeile aus der Waffenkammer holte habe ich Osak, Eduardo und Kardoc beobachtet. Die haben miteinander geflüstert und dauernd gekichert."

Davidudls Langeweile wurde endlich unterbrochen. Es klopfte. Ibraha stand in der Tür, sie hatte eine neue Robe an: "Äh... Moram hält eine kleine Rede im Thronsaal und ich soll euch abholen. Die Anderen sind auch schon am Weg dorthin."

Davidudl erhob sich seufzend: "Immer nur reden, reden, reden. Wir könnten schon längst in Gelea sein um Orks und Nataspriester zu schlachten."

Anaid hängte sich bei ihm ein und sagte: "Wahrscheinlich geht es eben um Gelea, vielleicht hat Moram ein Mittel gegen die Hypnosesprüche der Nataspriester gefunden."

Die Drei gingen gemächlich zum Thronsaal. Einige Andere Personen, dem aussehen nach Adlige, waren ebenfalls in diese Richtung unterwegs. Die Tore des Saals standen weit offen und eine Menge Leute drängten sich drinnen. König Marco saß auf seinem Thron. Einige Schritte davor stand Moram hinter einem kleinen Tisch. Er sortierte gerade irgendwelche Gegenstände auf dem blendend weißen Tuch das über den Tisch gespannt war. Auf beiden Seiten des Tisch standen große Kerzenleuchter am Boden. Vor dem Tisch hatten sich an die dreißig Leute im Halbkreis versammelt und an den Seiten des Thronsaals standen noch einmal so viele. Moram blickte in die Menge und wartete geduldig bis alle endlich ruhig standen und den Mund hielten.

Er hob beide Arme und begann zu sprechen: "Hört mich an! Es stehen dunkle Zeiten bevor und uns allen drohen Gefahren die wir uns in den schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen können, doch es bleibt noch genügend Zeit gegen das Böse, daß sich in Mystia ausbreitet, etwas zu unternehmen. König Marco unternimmt alles Erdenkliche um den Orks und Nataspriestern Einhalt zu gebieten. Noch sind die bösen Mächte schwach und handeln eher zufällig, es sind bis jetzt nur herumstreunende Horden die planlos zuschlagen. Doch es steht zweifelsfrei fest, daß die Nataspriester vorhaben das Königreich zu untergraben und..."

Davidudl wurde schon nach den ersten paar Sätzen langweilig. Seltsamerweise langweilten sich seine Gefährten, wie sonst auch bei solch schicksalsschwangeren Worten, anscheinend gar nicht und blickten gebannt auf Moram.

Anaid hatte momentan auch kein Gehör für Morams Worte. Eduardo und Osak drängten sie und Davidudl langsam aber sicher zur Mitte des Halbkreises, in die erste Reihe der Zuhörer. Anaids Arm war noch immer bei Davidudl eingehängt und so wurde er gezwungenermaßen mitgezogen.

Moram eröffnete den Anwesenden gerade die Neueste und zugleich erschreckenste Botschaft. Er hatte schon einige Zeit den Verdacht, daß die seltsamen Vorkommnisse in letzter Zeit etwas mit dem Dimensionstor auf der Insel Mystika zu tun haben könnten. Wenn die zwölf Siegel des Dimensionstores brachen, würde genau das Gleiche wie vor dreitausend Jahren passieren. Horden von bösartigen Kreaturen würden wieder die Welt schänden, die Zweibeiner würden sich verändern und Diener des Bösen werden. Daß zumindest eines der Siegel gebrochen war wußte er aus absolut zuverlässiger Quelle. Auf Mystika wachen seit dreitausend Jahren immer eine handvoll Magier über die Siegel. Einer dieser Magier wurde vor ein paar Tagen in der Nähe von Schloß Brilante von Wachen getötet. Er war völlig vom Glauben an Natas besessen und körperlich am Ende. Moram hatte versucht ihm zu helfen aber es war nichts mehr zu machen. Bevor er starb erzählte er noch mit zynischem Gelächter, daß alle Wächter der Siegel, auf der Insel Mystika, nun dem richtigen Glauben angehörten und die Siegel nacheinander aufbrechen würden.

Davidudl hörte die Stimme von Moram die ihn an einen monoton gurgelnden Wasserfall erinnerte und kam sich irgendwie seltsam vor. Wieso stand er eigentlich auf einmal in der ersten Reihe? Und warum grinste Kardoc schon wieder so blödsinnig? Der Zwerg hatte sicher irgend eine Gemeinheit ausgeheckt, aber er würde schon noch dahinter kommen. Davidudl richtete seinen Blick wieder auf Moram und versuchte zuzuhören.

Moram sah nur einen Ausweg man mußte die Runensteine der legendären Helden finden die einst das Dimensionstor geschlossen hatten bevor das letzte Siegel gebrochen war. Nur so konnte das Tor wieder fest verschlossen und die verblendeten Magier gerettet werden. Nun folgte eine Aufzählung der legendären Helden samt einer Kurzerzählung ihrer Heldentaten.

Anaid hörte Moram zwar aber sie verstand fast kein Wort. Unentwegt suchten ihre Augen etwas verdächtiges im Saal. Sie fühlte ganz deutlich, daß hier irgend etwas im Gange war von dem sie nichts wußte. Davidudl versuchte soweit es ging das Gähnen zurückzuhalten. Die Anderen Gefährten merkten sich auch kaum etwas von Morams Worten denn der Augenblick auf den sie Alle gewartet hatte rückte immer näher.

Endlich war Moram mit dem unangenehmen Teil seiner Rede fertig. Er zeigte auf die Gefährten und erklärte der versammelten Menge, daß nun die ganze Hoffnung bei ihnen liege und er war überzeugt, daß sie die schwierigen Aufgaben die vor ihnen lagen bewältigen würden. Er schwieg einen kurzen Moment und blickte dann auf Anaid und Davidudl: "Und ihr beide seid also entschlossen eure Herzen miteinander zu verbinden?"

Davidudl hatte plötzlich Ohrensausen. Er schielte seitlich und mußte feststellen, daß er und Anaid allein vor dem Tisch standen. Die Anderen waren einige Schritt zurückgewichen. Moram winkte sie zu sich. Anaid hatte auf einmal das dringende Bedürfnis an eine Ort zu gehen wo selbst der König zu Fuß hingeht und dort zu bleiben bis alles vorbei war. Davidudl nahm sie fest am Arm und beschloß Kardoc nachher irgend etwas anzutun, der hatte nämlich die ganze Sache eingefädelt und deshalb die ganze Zeit so blöd gegrinst.

An einer Seite des Saals hatte sich unbemerkt ein kleines Orchester eingefunden und spielte leise zu Morams Vermählungsworten. Nun gab es kein zurück mehr. Es war für die Beiden eine einmalige Gelegenheit von so einer hochgestellten Persönlichkeit verbunden zu werden. Noch dazu in Anwesenheit des Königs. Solcher Aufwand wurde sonst nur für hohe Adlige veranstaltet. Von ihrem gesellschaftlichen Stand her hätten sich die Beiden irgendwo unterwegs selbst das Jawort geben können. Aber mit all den Anwesenden wurde die Vermählung immens aufgewertet. Es gab in Mystia nur wenige Paare die im Thronsaal des Königs getraut wurden. Trotz all dem, oder gerade deswegen waren Beide fürchterlich aufgeregt. Sie hatten überhaupt keine Ahnung wie solch eine Vermählung ablief.

Der Zeremonienmeister von Brilante hatte ein ziemlich umfangreiches Programm zusammengestellt. Als erstes sprach Moram einige bedeutungsvolle Worte über ihre moralischen Verpflichtung die sie an diesem Tag eingehen würden. Als Symbol ihrer Verbundenheit gaben sich Anaid und Davidudl die Hände und Moram legte er eine schmale goldene Kette einige Male rundherum. Dann befragte er jeden der beiden ob sie hier und heute aus freien Stücken "Ja" sagen wollen. Davidudl zögerte etwas, aber nicht weil er Anaid nicht wollte, sondern weil er keinen Schimmer hatte ob er jetzt wirklich einfach nur "Ja" sagen sollte. Nachdem Moram ihm lautlos aber deutlich ein "Ja" vormachte würgte Davidudl seine Zustimmung hervor: "Oh,... Äh,... Nun,... - Jaaaa! -"

Nachdem auch Anaid "Ja" gesagt hatte kam ein etwas kompliziertet Teil der Zeremonie. Von der Tür des Thronsaals kam ein Diener, gemessenen Schrittes, mit einem silbernen Tablett. Das Orchester spielte dazu einen feierlichen Marsch. Er legte das Tablett auf Morams Tisch und empfahl sich rückwärts gehend wieder hinaus. Auf dem Tablett lagen Kekse. Moram nahm einen und brach ihn in der Mitte auseinander. Dann gab er je eine Hälfte an die Beiden und forderte sie auf sich gegenseitig mit der Kekshälfte zu füttern als Symbol alles in Zukunft zu teilen und für den Anderen zu sorgen. Davidudl und Anaid wäre es nicht im Traum eingefallen dazu die Hände von der goldenen Kette zu befreien. Es sah zwar etwas eigenartig aus wie sie mit verbundenen Händen jeweils im Mund des anderen herumfummelten aber es gelang ihnen den trockenen Keks zu essen. Danach erschien wieder ein Diener mit Musik und einem silbernen Tablett. Diesmal stand ein Krug darauf. Moram nahm den Krug entgegen und sprach einige segnende Worte, dann gab er den Krug an Davidudl. Er sollte Anaid ein wenig daraus zu trinken geben. Die Kette war dabei äußerst hinderlich. Davidudl setzte den Krug viel zu hoch an und die Flüssigkeit lief Anaid an beiden Seiten herunter. Es war süßer, klebriger Apfelsaft.

Anaid gab nun umgekehrt Davidudl zu trinken, setzte den Krug aber etwas schief an. Nachdem auch Davidudl vollgesabbert war sprach Moram beiden seine Glückwünsche aus und flüsterte Davidudl zu: "Du darfst sie jetzt küssen."

Davidudl reagierte spontan und drehte sich ruckartig zu Anaid, vergaß aber dabei auf die Kette. Anaid hatte keine Möglichkeit seinen Schwung abzufangen. Seine Lippen landeten auf Anaids Wange und beide taumelten einige Schritte seitlich.

Endlich befreite sie Moram von der Kette und legte sie auf den Tisch. Dann erstarrte plötzlich sein Blick. Er griff sich theatralisch an die Stirn und rief: "Oh, wie wird mir? Ich empfange etwas. Eine,... eine... "

Alle Kerzen im Saal wurden gelöscht und Moram wurde nur mehr von einer magischen Fackel beleuchtet. Das Orchester spielte eine ein dramatisches Stück, Blitze zuckten durch den Raum und Moram verschwand für einen Augenblick unter dem Tisch. Dann richtete er sich ruckartig wieder auf. Er hatte irgend etwas in beiden Händen. Die Blitze hörten auf, es wurde still und dunkel. Von allen Seiten kamen Diener und zündeten die Kerzen wieder an. Langsam wurde es wieder hell im Thronsaal. Moram hielt zwei Kerzenständer in der Hand. Sie waren aus Stein und in beide waren ihre Initialen gemeißelt. Ein "A" und ein "D" ineinander verschlungen. Oben steckte zwei Kerzen die Moram an einem der Leuchter neben dem Tisch entzündete. Er überreichte sie den beiden frischgetrauten augenzwinkernd und tropfte dabei unabsichtlich etwas Wachs auf Davidudls Arm: "Das ist die Gabe eines Unbekannten, die beiden Kerzenleuchter sollen ein kleines Andenken an diesen Tag sein."

Davidudl war so beschäftigt mit anderen Dingen, daß er das heiße Wachs gar nicht richtig spürte. Außerdem folgte schon der nächste Höhepunkt. Moram ließ einen mit Tüchern verhangenen Kasten enthüllen. Es hatte ungefähr die Abmessungen einer Truhe. Vorne war eine Glasscheibe eingelassen durch die man ins Innere sehen konnte. In der Truhe befand sich anscheinend Nebel. Bläuliche Schwaden zogen träge an der Scheibe vorbei. Moram wendete sich der Truhe zu und sprach beschwörend: "Dies ist unser Karnat! Und durch diesen magischen Karnat wird Whuosa persönlich zu uns sprechen wenn wir uns würdig erweisen. Oh Whuosa, wir erflehen deinen Segen für dieses Paar. Gib uns ein Zeichen."

Nichts passierte.

Moram begann flehentlich zu rufen.

Nach und nach stimmte der ganze Saal mit ein: "Whuosa - Whuosaa - Whuuoosaa - WHUUOOSAA"

Wahrscheinlich konnte Whuosa das extatisch - hysterische Geschrei nicht mehr länger ertragen und meldete sich tatsächlich. Aus der Glasscheibe zuckten Blitze, der Nebel formte sich zu einer vermummten Gestalt. Statt einem Gesicht sah man nur Dunkelheit, zwei winzige helle Punkte schwebten darinnen, ungefähr dort wo normalerweise die Augen waren.

Augenblicklich herrschte atemlose Stille im Saal, - so sollte man annehmen.

Niemand hatte damit gerechnet das hinter der Glasscheibe tatsächlich mehr war als Nebelschwaden. Momentan herrschte ungefähr die Atmosphäre eines Hühnerstalls in dem gerade ein Fuchs wütete. Frauen kreischten, ein Adeliger stand wie angewurzelt und zeigte mit ausgestreckten Finger auf die Truhe: "Da, da, da, da,..."

Einige waren auf die Knie gefallen und stammelten sinnloses Zeug. Alle waren völlig durcheinander, manche vor Glück und andere vor Angst, je nach Zustand ihres Gewissens. Und so gingen die ersten Worte von Whuosa im Lärm einfach unter. Endlich beruhigte sich die Menge etwas. Doch die Verbindung mit Whuosa war sehr schlecht, seine Stimme klang total verzerrt und hallte fürchterlich. Nur wer aufmerksam zuhörte konnte einige Wortfetzen verstehen, falls er nicht gerade von irgendwem neben ihm durch lästige Fragen gestört wurde, wie: "Was hat er jetzt gerade gesagt?"

Osak verstand kein Wort und meinte wissend mit erhobenen Zeigefinger: "Er spricht in Rätseln!"

Whuosa erzählte gerade etwas von Treue und Standhaftigkeit als es fürchterlich krachte und der Nebel wild zu zucken begann. Dann war es absolut Dunkel in der Truhe.

Es herrschte wieder wirres Durcheinander im Saal, einige befürchteten Whuosa hätte sich von ihnen abgewendet und schicke als Strafe demnächst eine Sturmflut oder etwas ähnliches. Doch nach wenigen Momenten erwachte die Truhe wieder zum Leben. Diesmal erschien aber nicht Whuosa sondern junge Mädchen die auf einer Bühne tanzten. Sie warfen zu einer schwungvollen Melodie ihre Beine hoch in die Luft. Jetzt brach der absolute Tumult im Saal los. Keiner verstand mehr was hier eigentlich los war. Moram stand fassungslos neben seinem Tisch, die Zeremonie war ihm völlig entglitten. Aus dem Nebel des Karnat hatte er bis jetzt immer nur Orakel gelesen. Was sich hier abspielte konnte er beim besten Willen nicht mehr erklären.

Endlich gewann Whuosa wieder die Oberhand über die tanzenden Mädchen und setzte seine Rede fort. In den Ecken der Truhe formten sich die Köpfe von Anaid und Davidudl aus dem Nebel. Danach wurden sie zu kleinen Monden und wanderten unter die Dunkle Kapuze zu seinem Gesicht um dort in den beiden hellen Punkten zu verschwinden. Der genaue Wortlaut war zwar nicht zu verstehen doch Whuosa segnete das Paar und all jene die den guten Mächten in Mystia dienten. Seine letzten Worte verhallten während er sich im Nebel auflöste: "Bleibt getreu..."

Niemand konnte es fassen, Whuosa hatte tatsächlich zu ihnen gesprochen. Das Festbankett das nun folgte war noch immer von diesem Ereignis geprägt. Man versuchte aus den Fragmente die jeder einzelne verstanden hatte die Botschaft Whuosas zu rekonstruieren, brachte aber wenig sinnvolles zustande. Anaid und Davidudl saßen am Ende der Tafel, gleich neben dem König. Ihnen genügte es das Whuosa ihre Verbindung gutgeheißen hatte. Moram vermutete, daß die tanzenden Mädchen durch eine Fehlverbindung in eine fremde Dimension erschienen waren.

Kardoc und Eduardo widmeten sich dem reichhaltigen Angebot an erlesenen Speisen bis sie beinahe platzten. Osak erfuhr endlich wie dieses köstliche schäumende Getränk hieß. Es wurde nach einem Geheimrezept der Gnome gebraut und trug den Namen "Bier". Osak beschloß heute Abend auszuprobieren wie viele Krüge davon in ihn hineinpaßten. Ibraha mußte wieder auf ihn aufpassen, denn nach einigen Krügen taumelte er von Einem zum Anderen und spielte wieder den irrsinnigen Nataspriester. Irgendwann, spät, als Anaid und Davidudl längst in ihr Gemach verschwunden waren und die Kerzen im Saal schon fast ganz heruntergebrannt waren, wurden die letzten Gäste auf die Zimmer geleitet oder getragen.

Im Thronsaal kehrte wieder Stille nach diesem denkwürdigen Tag ein.

© Andreas Bartl

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