Kardocs Traum Kardoc erwachte und war sich nicht sicher ober vielleicht doch noch schlief. Er hatte von Mystia geträumt, allerdings nicht als der Zwerg Kardoc sondern als irgend ein anderes Wesen, er war in seinem Traum ein völlig fremder Mensch gewesen. Es war einer der wenigen Träume an die er sich erinnern konnte, aber dieser unterschied sich grundlegend von anderen Träumen. Kardoc setze sich auf, er war verwirrt, jedes Detail des Traums war ihm in Erinnerung geblieben. Er war nicht er selbst gewesen, sonder ein Mensch. Dieser Mensch wußte von Kardoc dem Zwerg so gut wie alles, er wußte auch schon während des Traums, daß der Zwerg beim Erwachen vor den Trümmern seines Weltbilds stehen würde. Kardoc begriff die Bedeutung des Geträumten erst nach und nach. Der Traum hatte in einer völlig Fremden Welt begonnen, er war nicht in Mystia gewesen. Das Wesen, das eigentlich er selbst war, dachte aber an Mystia. Es ließ seine Gedanken eine Weile über die Gegend schweifen und hielt auf der Insel Mystika inne. Dort wurden die Gedanken etwas schwermütig, es dachte an das Dimensionsloch und die Folgen wenn es sich vollends öffnen würde. Kardoc wurde kalt bei dem Gedanken was dann passieren würde. Die ganze Weltscheibe würde in diesem Moment zu existieren aufhören. Nichts würde übrig bleiben, kein Berg, kein Tier, nicht einmal die Luft. Er würde seine Gefährten nie wieder sehen, ja er, Kardoc, würde nicht einmal mehr wissen, daß er oder irgend einer seiner Gefährten jemals existiert hatten. Das Verschwinden der Welt hätte eigentlich eine ganz simple Ursache. Die Welt Mystia hatte in Kardocs Traum nämlich noch nie existiert. Sie alle waren nur den Gedanken einiger Wesen entsprungen, und ebenso die ganze Welt Mystia, samt ihren Gesetzmäßigkeiten. Alles in Mystia existierte nur scheinbar und zwar weil es das Wesen, von dem Kardoc heute geträumt hatte, es so wollte. Davidudl, Knepp, Ibraha und die anderen Gefährten hatten das selbe Schicksal. Sie existierten nur weil einige andere Wesen es so wollte. Der Zwerg Kardoc war in Wirklichkeit scheinbar nur ein willenloses Werkzeug seines Schöpfers. Doch andererseits war er auch ein Teil seines Schöpfers und untrennbar mit ihm verbunden. Alles was der Zwerg machte war ganz und gar im Sinne des anderen Wesen in jener fremden Welt. Seine Gefährten waren ebenso mit ihren Schöpfern verbunden und führten deren Willen aus, der aber gleichzeitig ihr eigener Wille war. Das Erschreckenste war aber, daß es nur ein paar wenige dieser Schöpfer gab, die hinter den Lebewesen in dieser Welt standen. Alle anderen Zweibeiner in Mystia, wie Grani Eitel zum Beispiel, waren nur erdachte Figuren, Statisten die diese Welt belebten. Kardocs Schöpfer dachte in Kardocs Traum, mit Sorge an das Ende der Welt. Er wollte nicht, daß Mystia verschwand, doch das hing nicht nur von ihm allein ab. Das Böse, daß sie die ganze Zeit bekämpften war überhaupt nicht Böse. Die Nataspriester waren nichts anderes als das personifizierte Vergessen. Der Höhepunkt des Vergessens würde die Öffnung des Dimensionstors sein. Und selbst diesen Tag hatten die Schöpfer erdacht und festgelegt. Wie es dazu gekommen war wußte selbst der Mensch nicht mehr, aber es war für ihn alleine nicht mehr rückgängig zu machen. Die größte Gefahr für Mystia war, daß die Schöpfer nach und nach das Interesse an der Scheibenwelt verlieren würden. Wenn alle den Kampf gegen die Nataspriester und somit gegen das Vergessen aufgaben war Mystia verloren. Und da es nur wenige Schöpfer gab, waren sie tatsächlich die einzigen welche diese Welt retten konnten und zwar nur dann, wenn die Schöpfer es wollten. Kardoc wußte im Traum und auch jetzt, daß er den Kampf niemals aufgeben würden, er würde bis zum Ende gehen. Wenn es sein mußte auch alleine. Es gab nur die Wahl aufzugeben und auf das Ende der Welt zu warten oder zum Dimensionstor zu ziehen und das Vergessen zu bekämpfen. Den Tod fürchtete Kardoc nicht mehr, denn ohne Mystia konnte er sowieso nicht überleben und er wollte, daß Mystia weiterbestand und das wollte hoffentlich auch sein Schöpfer. Kardoc rieb sich den Schlaf aus den Augen. Diesen Traum würde er auf jeden Fall nicht so schnell vergessen. Schon in Gedanken was wohl noch alles vor ihm liegen würde erhob er sich und machte sich auf die Suche nach seinen Gefährten. © Andreas Bartl |