Legende des Endorian Als Aprelia, Urweise und Kundige der Pflanzen noch unter den Elfen weilte, verliebte sie sich in den Elfenkrieger Tanis. Dieser hatte jene Elfen befehligt, welche den Angriff der Orks heldenhaft niedergeschlagen hatten. Hierbei erwies er sich nicht nur als guter Kämpfer und Bogenschütze, sondern auch als kluger Feldherr. Er war es nämlich, welcher den Elfen den fast unsichtbaren, organisierten Kampf mit Pfeil und Bogen von den Bäumen herab lehrte. Nachdem die Orks zurückgeschlagen waren, kehrte wieder Frieden ein im Elfenwald und Aprelia und Tanis lebten glücklich und zufrieden. Nach einem Jahr erblickte ein Junge mit Namen Endorian das Licht von Mystia. Der Knabe wuchs in einem Dorf namens Omul auf, welches gut versteckt im Elfenwald lag. Bald zeigte der Knabe besondere Begabungen. Er konnte wie seine Mutter mit den Bäumen reden und aus den verschiedensten Kräutern und Pflanzen heilende Tränke und Salben zubereiten. Vom Vater erbte er das Geschick im Umgang mit den Waffen. Schon in jungen Jahren war er der treffsicherste Bogenschütze und geschickteste Kämpfer unter den Elfen. Die Jahre vergingen die Jahre und als sein Vater in den Rat der Ältesten berufen wurde, wurde Endorian zum Führer der Elfen gewählt. Seine Mutter aber hatte sich im Lauf der Zeit immer mehr in den Wald zurückgezogen und sich in das Studium der Pflanzenwelt vertieft. Immer seltener wurde sie im Dorf gesehen und wenn sie doch einmal auftauchte, dann war ihr Gesicht von Gram gezeichnet, als ob sie irgend etwas Schreckliches im Geiste vor sich sah. Doch selbst Tanis und Endorian konnten ihr kein Wort entlocken. Als sie sich eines Tages überhaupt nicht mehr blicken ließ, beschloß ihr Sohn Endorian in den Wald aufzubrechen um sie zu suchen. Doch in dem riesigen hohlen Baum, ziemlich auf der Rechten Seite des Waldes, wo sie sich zuletzt aufgehalten hatte war sie nicht mehr. Auch der Versuch mit den Blumen zu sprechen scheiterte, sie blieben stumm. Er hatte schon viele Tage vergeblich nach ihr gesucht als sich bei einer Rast folgendes ereignete: Endorian hatte sich gerade ein Nachtlager zurechtgemacht, als er das vertraute Flüstern seiner geliebten Bäume vernahm: ,,Deine Mutter hat uns verboten mit dir zu sprechen, aber wir bringen es nicht übers Herz sie so leiden zu sehen. Komm, folge unseren Stimmen wir werden dich zu ihr geleiten und so folgte er den Stimmen der Bäume, bis sie zu einem uralten Baum gelangten. Dem Urbaum. Dem Ersten aller Bäume. Es war ein phantastischer Anblick, sein Stamm hatte die Rinde aller Bäume Mystias und jeder Ast schien von einer anderen Baumart zu sein. Er war es, dessen Samen von den Winden in ganz Mystia verteilt wurden, aus denen Wälder mit den verschiedensten Bäumen wuchsen. Er war kaum höher als die anderen Bäume rings um ihn, doch der Umfang seines Stammes war mit gut 50 Schritt wahrhaft gewaltig. Dieser Baum war Größer als es sich Endorian je erträumt hatte. Plötzlich formte sich mitten im Stamm ein Mund und sprach mit angenehmer tiefer Stimme: ,,Tritt ein!" Endorian trat durch den Mund in den gewaltigen Baum. An den Seiten wuchsen Wurzeln hervor, welche ihn geschickt durch ein Labyrinth von Gängen und Schächten hievten. Am Ende seiner Reise stand er in einem großen Raum innerhalb des Baums. Der Raum war in seiner natürlichen Schönheit vollkommen. Überall lebendiges duftendes Holz in den unterschiedlichsten Maserungen und Düften. Boden und Wände waren wild zerklüftet von umherrankenden Ästen. Viele davon dienten als Ablagen, auf denen Tongefäße gefüllt mit den verschiedensten Kräutern und Pflanzen standen. Erst jetzt bemerkte er, daß sich seine Mutter im Raum befand. Sie blickten sich kurz an, dann fielen sie sich in die Arme. ,,Du hättest nicht herkommen dürfen....wie hast du mich überhaupt gefunden?...ach ich weiß schon, die Bäume.. sie haben mit dir gesprochen, stimmts?" Endorian nickte. "Was ist los Mutter, warum besuchst du uns nicht mehr.. wir dachten schon es sei dir etwas passiert!" Sie sagte nur: "Bitte zwinge mich nicht etwas zu erzählen, was noch nicht geschehen ist, es ist zu gefährlich! Es könnte den natürlichen Lauf der Dinge ändern und Mystia würde zerstört werden. Diesen Sieg werde ich Ihm nicht gönnen!" "Wer ist - ER -?" "ER - ist das Böse in uns allen, und er will alles Gute vernichten, damit er in allen Dimensionen allein herrschen kann. Mehr kann und darf ich dir nicht erzählen. Nimm zum Abschied dieses Geschenk von mir!" Nach diesen Worten und einer kurzen Geste begannen sich in der Mitte des Raumes einige schlanke Äste zu einem 1 Schritt langen, dünnen Stab zu formen und ineinander zu verschmelzen. Aprelia nahm den Stab, von einem Tongefäß eine Feder und aus einem Astloch eine schwarze Pfeilspitze. Danach murmelt sie einige, Endorian völlig unbekannte Worte. Plötzlich verbanden sich die drei Gegenstände zu einem Pfeil, der bläulich in Aprelias Händen zu glimmen begann. Während die bläuliche Aura wieder verschwand hielt sie den Pfeil Endorian entgegen. ,,Nimm diesen Pfeil als mein Geschenk an dich, welches jedem der auch später unser Blut in sich trägt, zur Seite stehen soll. Er besteht aus Lomillialor, dem Holz des Urbaumes, in ihm steckt die Kraft jeder Holzart dieser Welt. Seine Feder stammt von einem jener sprechenden Schwäne, welche viele Geheimnisse dieser Welt kennen, doch deren Aufenthaltsort das größte Geheimnis ist. Seine Spitze ist aus Obrit, jenem Metall, welchem die geübtesten Zwerge ihr Leben einhauchen." Nachdem Endorian den Pfeil genommen hatte, begann urplötzlich wieder das Spiel mit den Wurzeln, welche ihn nach draußen trugen. Vor dem Urbaum ergriffen ihn dann, die Äste des Nachbarbaums, welche ihn zum nächsten Baum weiter reichten. Dies ging so lange, bis er mit dem Pfeil wieder in Omul anlangte. Seit dieser Zeit wird der Pfeil von Elfengeneration zu Elfengeneration weitergereicht und aufbewahrt. Der Pfeil hatte ein magisches Eigenleben und durfte nur in ganz selten Fällen von auserwählten Elfen benutzt werden. Die meisten Zweibeiner durften ihn aber nicht einmal anfassen, denn er reagierte äußerst heftig mit magischen Blitzen. Wozu der Pfeil letztendlich dienen sollte blieb allerdings bislang ein Geheimnis. © Andreas Bartl |