Die Weltscheibe Entstehung - Werdegang - und Ende Ernsthafte wissenschaftliche Abhandlungen des Alchemisten Albrich Zweifels ---------------------------------------------------------------------------------------------- Dies sind die gesammelten Aufzeichnungen meiner gewissenhaften Studien über unsere Weltscheibe. Es war längst an der Zeit, daß ein wacher und genialer Geist wie ich einer bin endlich Schluß macht mit dem Geschreibsel von Sagenerzählern und wahnsinnigen Eremiten. Die folgenden Theorien sind alle wohldurchdacht und werden sich unzweifelhaft irgendwann einmal bewahrheiten. Die Entstehung der Weltscheibe Die Existenz unserer Welt verdanken wir einer unvorstellbaren Katastrophe; und zwar dem sogenannten "Großen Bums". Vor undenklichen Zeiten lebte einst ein überdimensional, riesiger Alchemist. Uns normale Zweibeiner gab es damals noch nicht, aber wir wären für ihn noch viel winziger gewesen als das kleinste Staubkorn. Dieser Alchemist war gerade dabei das Geheimnis des Lebens zu ergründen und hatte eine Flüssigkeit hergestellt, die sozusagen die Quintessenz des Lebens war. Der Alchemist hatte sicher, so wie jeder verantwortungsbewußte Wissenschaftler ein heilvolles Durcheinander in seinen Räumen. Nun reihte sich eine Serie unglücklicher Umstände aneinander. Irgendwie muß eine explosive Substanz außer Kontrolle geraten sein und eine Detonation von unvorstellbaren Ausmaß ausgelöst haben. Der Alchemist hat dieses Unglück wahrscheinlich nicht überlebt. Sein ganzes Haus, ja vermutlich sogar die ganze Welt auf der er lebte wurde in tausende Teile zerlegt.Unsere Weltscheibe ist eins dieser Bruchstücke und fliegt seit diesem "großen Bums" mit unvorstellbarer Geschwindigkeit vom Kernpunkt der Explosion davon. Meiner Meinung nach befinden wir uns auf einem Stück Rasen aus seinem Vorgarten und zwar aus mehreren Gründen. Erstens herrschte auf Mystia schon immer reger Pflanzenwuchs und wahrscheinlich sind unsere Pflanzen die Nachkommen dieses Rasens. Zweitens müssen wir uns auf einem Teil aus der unmittelbarer Nähe des Hauses befinden da sonst die Entstehung von Leben nicht möglich gewesen wäre, wie weiter unten ausführlich beweisen werde. Und drittens errechnet sich die Nähe zum Kernpunkt der Explosion aus der Geschwindigkeit mit der sich unsere Weltscheibe durch den Raum bewegt. Im Einzelnen spielte sich beim "großen Bums" folgendes ab: Durch die Explosion wurden die einzelnen Trümmer immens beschleunigt und bewegen sich bis zum heutigen Tagen vom Ausgangspunkt weg. Die Reagenzien des Alchemisten wurden ebenso wie alles andere durch die Luft geschleudert. Unsere Weltscheibe, das ehemalige Rasenstück, traf gleich zu Beginn des Fluges mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten des Alchemisten zusammen. Ersten mit der Quintessenz des Lebens. Die Reste dieser Flüssigkeit gibt es noch heute, - es ist das Meer aus dem bekanntlich alle Lebenwesen gekrochen sind. Der zweiten Flüssigkeit, deren Zusammensetzung bis heute ein Geheimnis ist, verdanken wir die schützende Kuppel über unsere Welt. Diese hauchdünne Schicht muß eine extrem hohe Oberflächenspannung haben und ist mit einer durchsichtigen Eierschale vergleichbar, zerbrechlich und doch äußerst widerstandsfähig. Doch die Kuppel erfüllt einen ganz besonderen Zweck. Es wird sich schon so mancher gefragt haben warum immer alles, außer bei magischen Eingriff, zu Boden fällt. Welche Kraft ist es die uns am Boden hält und uns nicht hilflos durch die Luft schweben läßt. - Es ist die noch immer anhaltende Beschleunigung die beim "großen Bums" entstand. Diese These kann sich jedermann leicht verdeutlichen wenn er ein Blatt Papier auf die flache Hand legt, diese aufrecht hält und dann schnell zu laufen beginnt, das Papier wird regelrecht auf seiner Handfläche kleben. Nun kann man sich im vergrößerten Maßstab unsere Welt wie dieses Blatt Papier vorstellen das mit hoher Geschwindigkeit vorwärts bewegt wird. Wenn es die Kuppel über unserer Welt nicht gäbe würden wir in einem Orkan stehen dem nichts und niemand standhalten könnte. Ich vermute sogar daß die Sterne, die wir jede Nacht sehen, nichts anderes sind als Trümmer des "großen Bums", die jedoch keine schützende Kuppel haben und durch die unvorstellbare Geschwindigkeit mit der sie sich bewegen einfach verglühen. Nun ist es aber so, daß die Beschleunigungskraft des großen Bums irgendwann vorbei sein wird. Es wird sogar soweit kommen daß sich der Flug unserer Weltscheibe verlangsamt. Dies wird daran zu erkennen sein, daß wir selbst und alles Andere immer leichter werden bis wir eines Tages schweben und hilflos innerhalb der Kuppel herumtreiben. Es wird natürlich noch noch lange Zeit dauern bis dieser Zustand eintritt, denn es wirken hier Kräfte für die ein paar Jahrtausende nur ein Augenblick sind. Keiner von uns wird das Ende der Welt erleben, es sei denn irgend ein gewaltiges Hindernis stellt sich dem Flug der Weltscheibe in den Weg. Dennoch sollten sich die Wissenschaftler von Mystia auf diese Zeit vorbereiten und nach einer Lösung dieses Problems suchen. Auch die Zwerge seien an dieser Stelle gewarnt: wehe wenn einer von ihnen einmal zu tief gräbt und ein Loch zur anderen Seite der Welt öffnet. Es würde ein gewaltiger Sog entstehen und alles auf Mystia, daß nicht fest in der Erde wurzelt ist würde durch das Loch in den unendlichen Raum verschwinden. Zuletzt möchte ich das Phänomen der Sonne und des blauen Mondes klären. Da die beiden Himmelskörper, wie jeder weiß, gemächlich um die dahinrasende Weltscheibe kreisen widerstreben sie eigentlich jeder Logik. Dieser Umstand beweist eindeutig, daß die beiden zu einem späteren Zeitpunkt auf magische oder göttliche Weise, was im Endeffekt das selbe ist, in ihre Umlaufbahn gebracht wurden und bis zum heutigen Tag dort gehalten werden. Das eigenwillige Verhalten dieser beiden Gestirne hat mich auch zu einer zweiten, etwas abenteuerlichen Theorie verleitet die selbst für mich sehr schwer zu Glauben ist. Aber immerhin wäre es doch denkbar, daß unsere Weltscheibe gar nicht zufällig durch den Raum rast. Vielleicht ist das Ganze ein wohldurchdachtes und gesteuertes Experiment des Alchimisten dessen Sinn wir niemals begreifen würden. Wie dem auch sei, die Reise durch den Raum, ob gewollt oder zufällig, wird hoffentlich noch lange andauern. Die meisten Bewohner Mystias sind sich der heiklen Statik unserer Welt gar nicht bewußt und hüpfen sorglos auf der Oberfläche herum. Ich für meinen Teil habe aus meinen Forschungsergebnissen doch etwas gelernt. Niemand kann wirklich wissen wann sich die Reise dem Ende zuneigt, oder wann irgend ein größenwahnsinniger Zwerg zu tief gräbt und deshalb trage ich nun stets einen kleinen Wurfanker bei mir. Im Notfall kann so ein Gerät sicheren Halt geben und ich kann nur jedem Empfehlen sich rechtzeitig einen solchen zuzulegen. Für alle Fälle! ENDE © Andreas Bartl |